Der Rittersaal - ein Geschenk für Altena

Detail des Rittersaal-Gemäldes von Joachim Böhmer. Er selbst bezeichnete sich einmal als „irrsinnige und fieberhaften Maler“.

Altena - Der Rittersaal der Burg Altena ist etwas ganz Besonderes. Irgendwie „ein Geschenk für Altena“. Es ist nicht nur „der“ repräsentative Raum auf der Feste hoch über dem Lennetal, seine Einzigartigkeit macht „das größte ritterliche Wandgemälde Europas“ aus, das ihn schmückt, wie am Sonntag, 15. März, Karsten Wolfewicz sagte.

Er hatte die Nichten und Neffen und weitere Verwandte des Künstlers Joachim Böhmer an diesem Ort zu Gast. Denn der hatte in den 1950er Jahren den Saal ausgemalt. Die Familie des leider viel zu früh verstorbenen „Kunstgenies“ wollte sich vor Ort noch einmal auf das Werk des Onkels einlassen.

Wolfewicz hatte zusätzlich Stiche und Radierungen des Künstlers mitgebracht, die heute in der Burg Holtzbrinck als Dauerleihgabe ausgestellt werden. Das Besondere daran: Diese Motive aus Altenaer Sagenstoffen fanden Eingang in die Gestaltung des Event-Aufzuges mit seinen sieben Spielstationen im Tunnel. „Das gibt der Gegenwart ein neues Format“, lobte Wolfewicz. Böhmers Werk bezeichnete er „als Streifzug durch alle mittelalterlichen Epochen.“ Als Ideen für die in Erdfarben (ohne jedes Rot) auf die Wand aufgebrachten Motive dienten dem Künstler einst historische Gobelins und der Codex Manesse (auch Manessische Liederhandschrift oder Manessische Handschrift) aus Heidelberg. Wolfewicz kam am Sonntag vor der Familie ins Schwärmen über die „erdhaften Farben, die ritterlichen Motive und die vielfältige Pflanzenornamentik, die sich an keiner Stelle im Raum wiederhole. Das ist ein ausgewogenes Meisterwerk der Extraklasse“, lobte er. Joachim Böhmer habe den Rittersaal zu „einem erzählenden Ort“ gemacht“ getreu der Volksweisheit: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Wolfewicz hatte der Familie ein Hörspiel und eine Lichtinstallation mitgebracht, die er bereits vor vielen Jahren besprochen hat. So konnten „Kind und Kegel“ akustisch der Krönung Karls des Großen beiwohnen und die „Dynamic der Rittersaal-Bilder“ dazu aufnehmen.

1987 hatte der damalige Landrat des Märkischen Kreises, Dr. Walter Hostert, anlässlich einer Jubiläumsausstellung gesagt: „Die Ausmalung des Rittersaales (Böhmer benötigte dafür sieben Monate) ist die jüngste historische Komponente der Burg Altena nach ihrem Wiederaufbau von 1909 bis 1914. Die Arbeit ist bis auf den heutigen Tag überzeugend.“ Wie sehr dem Märkischen Kreis die Arbeit Böhmers am Herzen liegt, beweist auch die Tatsache, dass das Werk des Künstlers vor sieben Jahren umfangreich restauriert wurde.

von Johannes Bonnekoh

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