Flüchtlinge und Finanzen Themen beim Neujahrsempfang

Politprominenz aus dem Rat, dem Land- und Bundestag hatte der Neujahrsempfang angelockt. Alle Ebenen sind gefragt, um die Stadt insbesondere in Flüchtlingsangelegenheiten auf einen guten Kurs zu bringen.

Altena - „Wir bekommen mit den Flüchtlingen Menschen, die auch etwas mitbringen“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein am Sonntag beim städtischen Neujahrsempfang. Das wurde in der Burg Holtzbrinck gleich zweifach unter Beweis gestellt: Eine Gruppe junger Syrer übernahm die musikalische Unterhaltung, die Malerin Sahar Al Hindi stellte eine Reihe sehenswerter Frauenportraits aus.

2015 sei ein Jahr mit zwei Gesichtern gewesen, sagte der Bürgermeister in seiner Ansprache und nannte zunächst die schönen Dinge: Das gelungene Schützenfest, der Erfolg des Burgaufzugs, das Mittelalterfest. Er lobte die Kommunalpolitik, die 2015 an einem Strang gezogen und persönliche Egoismen hintenangestellt habe. Die Vermarktung des Gewerbegebiets Rosmart sei besser gelaufen als in den Vorjahren, in der Innenstadt investiere die Berg-Stiftung einen Millionenbetrag in den Bau neuer Wohnungen, für die es schon jetzt, ein Jahr vor der Fertigstellung, lebhaftes Interesse gebe.

Als es um die Schattenseiten des Jahres 2015 ging, nannte Hollstein zuallererst den Brand der Lutherkirche – es sei unfassbar, dass es Menschen gebe, „die Hand an Kirchen legen“. Der schwere Schulwegunfall von drei Kindern aus einer Familie habe das Jahr ebenso überschattet wie die erneuten Probleme des Krankenhauses und der Tod des jungen Altenaers Recep B., den Hollstein als Mord bezeichnete.

Im Beisein der Landtagsabgeordneten Michael Scheffler (SPD) und Thorsten Schick (CDU) und der CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser fand der Bürgermeister einmal mehr kritische Worte zur Gemeindefinanzierung. Nach wie vor würden in NRW die Großstädte bevorzugt, der ländliche Raum erhalte nur ein Drittel der pro Kopf-Zuweisungen, die beispielsweise für Dortmund gezahlt würden. Auch auf die Ungerechtigkeiten bei der Finanzierung der Flüchtlinge müsse immer wieder hingewiesen werden: Die Ruhrgebietsstädte bekämen 200 Millionen Euro für Asylbewerber, die es dort gar nicht gebe. Ausdrücklich dankte Hollstein den Bundes- und Landespolitikern für ihren Einsatz für Altena. Es sei aber leider Fakt, dass auch sie machtlos seien gegen die Bevorzugung der Großstädte.

Altenas Umgang mit den Flüchtlingen sei durch „Pragmatismus, Zusammenhalt und eine besondere Herangehensweise“ geprägt – damit leitete Hollstein über zu dem, was das vergangene Jahr ganz besonders geprägt hat und kam dabei an den Ereignissen in Köln nicht vorbei. „Auch wir haben nicht nur ‘gute’ Flüchtlinge“, sagte er. Zu 90 Prozent seien die Neuankömmlinge „liebe, nette Menschen“, die die Stadt bereichern würden. Er sei aber nicht sozialromantisch veranlagt und wisse um die paar schwarzen Schafe, die es unter den Flüchtlingen gebe.

Die Ereignisse in der Silvesternacht seien seiner Ansicht nach darauf zurückzuführen, dass es in Metropolen im Gegensatz zu Altena inzwischen rechtsfreie Räume gebe. Das dürfe die Gesellschaft nicht zulassen, warnte Hollstein und forderte konsequentes Vorgehen gegen Flüchtlinge, die „unser Gastrecht missbrauchen“. Man dürfe aber nicht verkennen, dass es auch unter dem Rest der Bevölkerung Problemfälle gebe: „Es waren ja schließlich keine Flüchtlinge, die das Heim im Buchholz angezündet haben“, sagte er, bevor er allen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, ebenso dankte wie allen anderen, die sich für die Stadt einbringen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare