Brandstiftungsprozess: Dirk D.s Freundin „immer hysterischer“

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Dirk D.: Beziehungsprobleme wegen Flüchtlingen.

Altena - Manchmal haben es Prozessbeobachter nicht leicht im Hagener Schwurgerichtssaal - etwa dann, wenn Richterin Hartmann-Garschhagen wieder einmal nach vorne zum Richtertisch bittet. Dann werden Bilder angeschaut – aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

So auch am Dienstag, als Dirk Ds. Ex-Freundin als Zeugin vernommen wurde,. „Kenn ich“, „habe ich nie gesehen“, „fand ich zunächst zum Schmunzeln“ - was die junge Frau mit diesen Worten kommentierte, blieb offen.

Immerhin: Am Freitag soll eine Auswahl der über 4000 Bilder per Beamer öffentlich gezeigt werden – allerdings nicht unter der Prämisse, die die Nebenklage mit einem Beweisantrag zu setzen versuchte. Das fordern jedenfalls Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Wie berichtet, wollen die Opferanwälte durch das Vorführen unter anderem sexistischer Fotos den Beweis erbringen, dass der Angeklagte „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ an den Tag lege und rassistisches Gedankengut pflege.

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Dieser Antrag sei unzulässig, meinen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Rechtsanwalt Andreas Trode begründete das auch damit, dass die Nebenklage sich in ihrem Antrag auf Wikipedia-Einträge stützt: „Die genannten Fundstellen sind sämtlich nicht fundiert, die Autoren nicht zu identifizieren.“ Darüber hinaus ließen die von der Nebenklage aufgeführten Bilder keine Rückschlüsse auf die ideologische Ausrichtung des Angeklagten zu.

Das gilt wohl eher für Chats zwischen Dirk D. und seiner Ex-Freundin, die von der Vorsitzenden Richterin verlesen wurden. Schon lange vor dem Brandanschlag äußerten sich beide kritisch bis ablehnend Flüchtlingen gegenüber. Sie sprach von „Pack“, er sorgte sich darüber, wie es mit Deutschland weitergehen soll.

Als dann klar war, dass direkt neben Dirk Ds. Haus an der Brandstraße Flüchtlinge untergebracht werden sollten, eskalierte die Situation. „Ich wurde immer hysterischer“, schilderte die Zeugin ihre damalige Gefühlslage. Gerade angesichts der Tatsache, dass ihr Freund als Feuerwehrmann 24 Stunden-Dienste hatte, sei es ihr nicht mehr möglich gewesen, in dem Haus zu wohnen. Sie sei deshalb zu ihren Eltern zurückgezogen. Dirk D. habe mit Rückzug auf ihre Ängste reagiert: „Er wurde immer verschlossener. Das war nicht mehr mein Dirk“, sagte die Zeugin.

Schwer nachvollziehbar waren vor diesem Hintergrund Nachrichten, die sie ihm schrieb, nachdem er unter Verdacht geraten war: Sie hoffe, dass er dafür richtig bluten müsse, schrieb sie ihm sinngemäß – eine Nachricht, die nicht nur die Vorsitzende Richterin nicht nachvollziehen konnte.

Wie schon während der letzten Verhandlungstage brachte die Befragung weiterer Anlieger der Brandstraße keine tieferen Erkenntnisse: „Ich halte mich aus sowas raus“, sagte eine Anliegerin, ihr Nachbar wusste nicht zu sagen, ob die Nachbarschaft pro oder contra eingestellt war. Etwas ergiebiger die Aussage einer 53-Jährigen: Man sei halt nicht informiert worden, sagte sie – „da war also dieses Ungewisse“. Natürlich sei auf der Straße über den bevorstehenden Einzug geredet worden, es haben positive wie auch negative Reaktionen gegeben.

Gehört wurden auch Dirk Ds. Ausbilder bei der Lüdenscheider und der Hagener Feuerwehr. Die Leiterin der Lehranstalt für Rettungsassistenten in Hagen schilderte, dass D. große Schwierigkeiten gehabt habe und durch die Abschlussprüfung gefallen sei. Immer wieder sei er in ihrem Unterricht eingeschlafen, habe teilnahmslos gewirkt und nur wenig Kontakt zu seinen Mitschülern gehabt. Er sei eindeutig verhaltensauffällig gewesen: „Derartiges habe ich in 21 Jahren noch nicht erlebt“. Ganz anders das Bild, das zwei männliche Ausbilder aus Hagen und Lüdenscheid zeichneten: „Unauffällig“ sei Dirk D. gewesen, habe anderen Auszubildenden geholfen. Sie hätten allenfalls kleinere Probleme mit ihm gehabt.

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