Täter ist Feuerwehrmann in Lüdenscheid

Brandstiftung im Flüchtlingsheim: Zwei junge Altenaer sind geständig

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Staatsanwalt Bernd Maas und Leiter des Staatsschutzes Nikolaus-Felix Jonk 

[Update, 17 Uhr] Altena - Ein 23-jähriger und ein 25-jähriger Altenaer, der als Feuerwehrmann in Lüdenscheid arbeitet, sind für den Brand in der Altenaer Flüchtlingsunterkunft verantwortlich, der am Samstag, 3. Oktober, gelegt worden war. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagmittag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hagen mit.

Die Täter sind gefasst: Aus Angst vor Übergriffen, die möglicherweise von Asylbewerbern auf das Wohnumfeld hätten ausgehen können, haben zwei Männer am Samstag, 3. Oktober, in einem Wohnhaus an der Brandstraße in Altena Feuer gelegt. Die 23- und 25-jährigen Männer wurden am Mittwoch festgenommen. Sie sind geständig, befinden sich aber – weil keine Fluchtgefahr besteht - wieder auf freiem Fuß.

Der 25-Jährige hatte am 1. April 2013 eine Ausbildung zum Feuerwehrmann bei der hauptamtlichen Feuerwehr in Lüdenscheid begonnen. Derzeit ist er Beamter auf Probe und absolvierte noch zusätzlich eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Er wurde am Freitagmittag nach Bekanntwerden der Vorwürfe suspendiert. „Er hatte ein Problem mit Autoritäten, aber es gab niemals einen Hinweis auf Fremdenfeindlichkeit“, sagte so Martin Walter, Leiter der Feuerwehr Lüdenscheid.Die Stadt Lüdenscheid werde alle dienstrechtlichen Konsequenzen ziehen, sagte Dr. Karl Heinz Blasweiler, der Erste Beigeordnete der Stadt.

Hinweis aus der Bevölkerung

Während einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Hagen berichteten Nikolaus-Felix Jonk, Leiter des Staatsschutzes und der eingesetzten Ermittlungskommission, Staatsanwalt Bernd Maas und Ralf Bode, Leiter der Pressestelle, von „Fleiß und Fähigkeiten der Polizei“, die dazu geführt haben, dass das Verbrechen schnell aufgeklärt werden konnte. Aber auch ein entscheidender Hinweis aus der Bevölkerung führte zum Ergreifen der Täter.

Täter traten bisher polizeilich nicht in Erscheinung

„Die genannten Personen entsprachen dem Täterprofil und waren auch teilweise im Fokus unserer Ermittlungen“, so der Leiter des Staatsschutzes. Die Altenaer gehören keiner rechtsgerichteten Organisation an und sind bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten. „Leider Gottes gibt es ja viele Menschen, die dem Zuzug der Asylbewerber kritisch gegenüber stehen und die Angst haben. Der überwiegende Teil ist nicht politisch organisiert und es ist eine persönliche Einstellung, die leider hier ihren Ausbruch gefunden hat“, so Staatsanwalt Maas.

Stellungnahme der NRW-Grünen

Am Nachmittag äußerten sich die Vorsitzenden der NRW-Grünen, Mona Neubaur und Sven Lehmann, zum Brandanschlag in Altena: "Wir verurteilen den kriminellen Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Altena. Die Brandstiftung zeigt: Das ständige Gerede von einer kippenden Stimmung kann gefährliche Folgen haben", heißt es in ihrer Stellungnahme. Und weiter:  "Wir fordern alle politisch Verantwortlichen auf, jegliches Zündeln in ihrer Rhetorik zu unterlassen. Unser Dank gilt den Hinweisgebern aus der Bevölkerung, die zur schnellen Ergreifung der fremdenfeindlichen mutmaßlichen Täter geführt hat."

Feuerwehrmann legte Brand

Nach dem aktuellen Ermittlungsergebnis ist der Feuerwehrmann die Person, die den Brand im Dachstuhl gelegt hat. Der zweite Täter hat nach eigenem Bekunden während der Brandlegung „Schmiere“ gestanden. Er hatte zuvor an einer Tankstelle mit einem Kanister das Benzin gekauft. Dabei wurde er von einer Videokamera gefilmt.

Bis zu 15 Jahre Haft

Bis zu 15 Jahre Haft könnte auf die Täter zukommen. Der Vorwurf: schwere Brandstiftung nach § 306a. Für einen versuchten Mord spricht nach Angaben des Staatsanwaltes wenig. „Dass sie die Tötungshemmschwelle überwunden haben, sehe ich hier nicht“, erklärte Bernd Maas.

Brand in Flüchtlings-Wohnhaus in Altena

Schwelbrand von den Nachbarn entdeckt

Die Kabel zur Brandmeldeanlage wurden durchtrennt.

Dass der Dachstuhl des Wohnhauses nicht gebrannt hat, bezeichnet die Polizei als glücklichen Zufall. Nachdem sich die Täter in der Nacht von Freitag auf Samstag Zutritt durch den Keller verschafft hatten, legten sie im Dachstuhl an zwei Stellen mit Hilfe von Brandbeschleunigern das Feuer, das aber aufgrund von Sauerstoffmangel erlosch. Zwölf, 13 Stunden später kam es zu einem Schwelbrand, der durch Nachbarn entdeckt wurde. Die sieben syrischen Flüchtlinge, die gerade in das Wohnhaus eingezogen waren, konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

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