Brandmeldeanlage am Tattag nicht zum Wachdienst aufgeschaltet

Brandanschlag in Altena: Sexistische Fotos als Beweismittel 

Altena - Mit der im Brandhaus am Buchholz installierten Brandmeldeanlage beschäftigte sich am Montag das Hagener Schwurgericht. Ergebnis nach Befragung mehrerer Zeugen: Intern war sie voll funktionsfähig – irgendwann im Laufe der Löscharbeiten sei sie tatsächlich auch angegangen, sagte ein Feuerwehrmann aus.

Weil in dem Haus per Funk vernetzte Rauchmelder installiert waren, gab es daraufhin in allen Zimmern Alarm. Das war’s dann aber auch: Nach außen ging die Meldung nicht. Es habe zwar die technischen Voraussetzungen dafür gegeben, bei Brandalarm per Telefon automatisch einen Wachdienst zu verständigen. „Auf Wunsch unseres Bürgermeisters Dr. Hollstein“ sei diese Aufschaltung aber nicht erfolgt, berichtete der Techniker, der die Anlage einbaute. Hintergrund seien ständige Fehlermeldungen aus anderen Objekten gewesen – unter anderem deswegen, weil die Batterien aus den Brandmeldern entwendet worden seien.

Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen bemüht sich weiterhin, Einblick in die Stimmungslage der Altenaer zu bekommen – mit mäßigem Erfolg. „Lass den Scheiß doch brennen“ hat nach Angaben anderer Zeugen ein 65-jähriger Bewohner der Brandstraße gesagt, als die Feuerwehr am 3. Oktober dort anrückte. Das sei aber keineswegs gegen die Flüchtlinge gerichtet gewesen, beteuerte er am Montag vor Gericht.

Auch in der Nachbarschaft sei die bevorstehende Ankunft der Flüchtlinge kein großes Thema gewesen. Eine 21-Jährige, die seit immerhin zweieinhalb Jahren mit dem Angeklagte Marcel N. liiert ist, hat mit dem „kaum“ über dieses Thema gesprochen – sie wisse nicht, wie ihr Freund zum Thema Flüchtlinge stehe. 

Ein Freund von Dirk D. sagte aus, es sei zwar darüber gesprochen worden, die Meinungen seien „mal so und mal so“ gewesen. Wo D. politisch stehe, könne er nicht sagen. 

Als Vorstand der Baugesellschaft gab Joachim Effertz an, aus Kreisen der Nachbarn seien keine Bedenken bezüglich der Belegung des Hauses mit Flüchtlingen laut geworden. Altena sei „wahrscheinlich die einzige Stadt, in der kein Wort über sowas verloren wird“, resignierte die Richterin.

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Als Zeuge geladen war auch ein 54-jähriger Postbote, der sich sich seit Monaten mit missionarisch anmutendem Eifer mit den beiden Angeklagten befasst, indem er ihnen unter anderem regelmäßig Briefe schreibt und andere Altenaer mit E-Mails bombardiert. Erhellendes konnte er nicht beitragen: Er sei erst durch die Tat auf Dirk D. und Marcel M. aufmerksam geworden, sein Wissen beziehe er vorwiegend aus dem Internet. Er wolle „mit allen Mitteln versuchen, zu helfen“ begründete er sein Tun. Als ehemaliger Ausbilder sei er es gewohnt, Probleme junger Menschen aufzuspüren und dann einzugreifen.

Die Nebenklage beschäftigte sich auch mit Dirk Ds. Handy und darauf enthaltenen Fotos. Sie stellte einen Beweisantrag des Inhaltes, eine Reihe von sexistischen und sexistisch und fremdenfeindliche Aufnahmen sowie solche, die sich über Behinderte lustig machen, öffentlich zu zeigen. Die beiden Opferanwälte Jost von Wistinghausen und Dr. Mehmet Daimagüler argumentieren, diese Aufnahmen seien Beleg für eine „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Dirk D. habe den Brand „aufgrund seiner tiefverwurzelten rassistischen Einstellung“ gelegt, für die diese Aufnahmen der Beleg seien.

Marcel N. hatte Inhalte seines Handys gelöscht, als ihm klar wurde, dass er in Verdacht geraten war. Das nützte ihm aber nichts: Kriminaltechnikern gelang es, die Dateien wiederherzustellen. Allerdings stehen sie den Prozessbeteiligten noch nicht zur Verfügung, Sobald das der Fall sei, würden sie ausgewertet, dann sei ein Beweisantrag in seine Richtung wahrscheinlich, deuteten die Nebenkläger an.

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