Bei Sanierungsarbeiten uralten Grabstein gefunden

Ungewöhnlich gut erhalten ist die 26 Zentimeter starke Sandsteinplatte. In der Mitte das große Wappen der Familie von Ovelacker. Die acht kleineren Wappen („Kartuschen“) zeigen die Familien der Ahnen des Drosten an.  Foto: Keim

Altena - Fast vierhundert Jahre lag im Boden des Kirchenschiffs der Lutherkirche eine barocke Grabplatte verborgen. Bei den Sanierungsarbeiten nach dem Brandschaden kam das mächtige Stück Steinmetzarbeit jetzt unverhofft wieder zum Vorschein.

Es handelt sich um das Grab des Drosten Dietrich von Ovelacker, der 1633 im für damalige Zeiten bemerkenswert hohen Alter von 80 Jahren starb. „Von diesem Grab war nichts bekannt“, berichteten gestern Baukirchmeisterin Karin Thomas und Architektin Dorothea Ossenberg-Engels, deren Büro eine 3D-Vermessung der Platte mittels Lasertechnologie vorgenommen hat. Auch bei der gar nicht lange zurückliegenden Sanierung der Kirche im Jahr 2007 hatten sich keine Hinweise auf die Platte ergeben. Die Grabplatte findet sich auf der westlichen Seite des Kirchenschiffs bei einem Säulenpaar in der Nähe des Turmes. Rätselhaft: Nach Untersuchungen sind sich die Fachleute von LWL-Archäologie einig, dass es unter der immerhin 26 Zentimeter starken Sandsteinplatte keine Grabgrube gibt. „Die Platte ist also sekundär an diesen Ort gebracht worden“, heißt es in einem Schreiben. Das könne wohl um 1738 beim Abriss der Vorgängerkirche und dem Neubau des Gotteshauses geschehen sein. Möglicherweise wurde der Droste – aufgrund seines Ranges kann er ursprünglich durchaus in der alten Stadtkirche beigesetzt gewesen sein – in jenen Jahren umgebettet. Nach dem, was über den Drosten bekannt ist, wurde er im Jahr 1553 geboren und entstammt einer seit dem 13. Jahrhundert, also etwa seit der Zeit der Burggründung, belegten Adelsfamilie. Ovelacker versah das Amt des Drosten (Statthalter des Grafen) über einen Zeitraum von 42 Jahren und war zugleich Mitglied des Rates in Altena und Iserlohn. Die Grabplatte ist insgesamt hervorragend erhalten, was daran liegt, dass sie eben nicht der Witterung ausgesetzt war.

Noch ist offen, wie die Kirchengemeinde mit diesem Fund umgehen wird. Grundsätzlich sei es aus Sicht des Denkmalschutzes möglich, sie an Ort und Stelle zu lassen oder aber sie zu bergen und so den Kirchenbesuchern künftig zugänglich zu machen, berichtet Karin Thomas. Die zweite Lösung habe sicherlich mehr Charme, könnte aber am Geld scheitern. Um welche Summe es hier gehen könnte, soll nun zunächst im Gespräch mit Fachleuten geklärt werden. Dann hofft die Kirchengemeinde auf einen Sponsor, der das geschichtsträchtige Projekt unterstützt.

Und der Boden unter der Lutherkirche hat noch einen zweiten Fund preisgegeben. Es handelt sich um einen gemauerten Fundamentblock, der zu einem Altar der (kleineren) Vorgängerkirche gehört haben dürfte.

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