Blitzmarathon rückt Schicksale von Unfallopfern in den Fokus

+
Die beiden Polizisten Wolfgang Bröker (links) und Christoph Schicketanz waren die ersten Einsatzkräfte auf der Fritz-Berg-Brücke. Noch heute sind dort Lackreste des Unfallautos an der Mauer sichtbar.

Altena - Überhöhte Geschwindigkeit im Straßenverkehr ist immer noch die häufigste Unfallursache, mahnt die Polizei. Im Rahmen des anstehenden NRW-weiten Blitzmarathons am kommenden Donnerstag soll deshalb auch auf die Schicksale von Unfallopfern, wie etwa den Kindern der Familie Menz, hingewiesen werden. Sie verunglückten auf der Fritz-Berg-Brücke.

„Es liegt die Vermutung nahe, dass bei diesem Unfall der Fahrer zu schnell unterwegs war“, sagt Hauptkommissar Wolfgang Bröker. Auch Polizisten, die oft das ganze Jahr über Geschwindigkeitskontrollen durchführen, bleiben tragische Ereignisse langfristig im Gedächtnis.

Zurück zum konkreten Unfall und seinen Folgen: „Die Situation am 25. August 2015 war total chaotisch. Man hörte Kinder schreien, es waren viele Menschen vor Ort und das Wetter spielte verrückt“, erinnert sich Oberkommissar Christoph Schicketanz. Er war zusammen mit Bröker als erste Einsatzkraft am Unfallort. „Unfälle sind immer schlimm, auch für uns – aber besonders furchtbar ist es, wenn Kinder involviert sind. Wir sind selbst beide Familienväter. Das ging uns wirklich sehr nahe“, ergänzt Bröker. „Solche Ereignisse zeigen deutlich, was die Raserei anrichten kann.“

Erster Gedanke damals: "Die sind tot"

Und wie geht es der Altenaer Familie heute? Der 25. August habe ihr Leben für immer verändert und werde unvergessen bleiben. An diesem Dienstagmorgen erfasste das Auto eines 21-Jährigen drei der vier Kinder, die sich gerade auf dem Schulweg befanden und verletzte sie schwer. „Der erste Gedanke damals war, als ich meine Kinder auf der Straße liegen sah: Die sind tot. Die Welt stand still“, sagt Mutter Kerstin Menz.

Bis heute plagen sie böse Albträume. „Ich denke oft an den Unfall und habe dann vor Augen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können.“ Ihre Kinder hätten die Ereignisse mit der Zeit dagegen recht gut verkraftet, ganz vergessen könnten sie die Ereignisse jedoch nicht: „Es gibt Tage, da rufen mich die Kinder an, dass sie nicht alleine von der Schule nach Hause gehen wollen, weil sie Angst haben. Dann hole ich sie natürlich ab.“

Viel Ärger mit der Versicherung des Verursachers

Ansonsten seien die Kinder wieder sehr viel lebensfroher. Nur Christin sei deutlich ruhiger und zurückgezogener seit den Ereignissen. „Jeder verkraftet und verarbeitet solche Sachen anders“, ist sich die Mutter sicher. Sehr anstrengend und kraftraubend sei und ist für die Familie der Ärger mit den Versicherungen. Obwohl zweifelsfrei schuldlos an dem Unglück, müsse die Familie, die durch den Unfall auch finanziell stark gelitten hat, „viele Sachen nachweisen und sich rechtfertigen, als wären wir die Verursacher. Nicht mal die teueren Tornister, die bei dem Unfall kaputt gingen, wollte die Versicherung ersetzen.“

Kurz vor Ostern gab es dann noch gute Nachrichten im Hause Menz: „Christin hatte am Gründonnerstag ihre letzte Operation, bei der Schrauben und Platte entfernt wurden. Damit sei die Leidenszeit aber noch nicht vorbei, denn auch in den kommenden Jahren müsse die 11-Jährige verstärkt auf ihre Gesundheit achten.

Höhere Strafen schrecken dauerhaft ab

Zurück zum anstehenden Blitzmarathon am 21. April: Bringen Aktionen wie diese dauerhaft etwas? „Trotz großer Ankündigungen werden wir wieder viele Fahrer erwischen, aber nach drei Tagen ist sowas vergessen. Einzig höhere Strafen wirken langfristig“, sagt Schicketanz. Zumindest sei das neue Flensburger Punktesystem für das Verkehrsregister positiver: „Da werden Raser viel schneller den Führerschein verlieren“, ist sich Kollege Bröker sicher.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare