Blick auf den Herbstwald: Forstamt erklärt Veränderungen in der Natur

Buchen sind „früh dran“

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Buchenblätter auf einem Baumstumpf. Im Herbst kommen gelbe, orangene und rote Farbstoffe zum Vorschein, die im Frühjahr und Sommer vom Chlorophyll überdeckt wurden. Die Folge: Der Wald wird bunt.

Altena - Manche Bäume in den Wäldern zeigen sich schon in bunten Farben. Viel zu früh, meinen Naturbeobachter und denken an das Ende des Sommers

Es häufen sich Meldungen von aufmerksamen Wanderern: „Der Wald verfärbt sich äußerst schnell. Manche Bäume wurden innerhalb weniger Tage dunkelbraun,“ lauten die Berichte, die Förster des Regionalforstamtes zu hören bekommen. 

Anhaltende Trockenheit

Beim Forstamt weiß man: Die Ursache ist die anhaltende Trockenheit im August. Sie stresst manchen Laubbaum so sehr, dass er jetzt die ersten Blätter abwirft. Schlimm sei das allerdings nicht. Der Wald bereite sich auf den Winter vor. 

Auffällig ist aber, dass der Farbwechsel dieses Jahr sehr plötzlich begonnen hat. Der Wald hat angesichts des regenarmen Wetters seine Wasserreserven aufgebraucht. Im Juli war noch relativ viel Feuchtigkeit im Boden, aber seit einigen Wochen ist es richtig trocken. 

Ungewöhnlich ist, dass ausgerechnet die Buche als erste Baumart auf Herbstfärbung schaltet. Zuerst kündigen in der Regel Birke, Ahorn und Esche den Herbst an. Deren Blätter sind aber noch weitestgehend grün. Die Buche ist im Normalfall eher ein Nachzügler: Sie verliert ihre Blätter oft erst beim letzten Frost. 

Vollmast bedeutet für den Baum Stress

„Wald und Holz NRW“–Experte Dr. Mathias Niesar hat eine Erklärung. Viele Buchen haben jetzt ein Mastjahr. Das bedeutet, dass sie besonders viele Samen, die Bucheckern produziert. Es ist ganz normal, dass viele Baumarten nur im Abstand von mehreren Jahren große Samenmengen produzieren. So eine Vollmast bedeutet für einen Baum aber Stress. Wenn dazu Trockenheit als weiterer Stressfaktor kommt, entscheidet sich der Baum, alle verfügbare Energie in den Nachwuchs zu stecken. 

Dr. Mathias Niesar: „Die Bäume priorisieren augenscheinlich die Samenversorgung und ziehen dazu aus den Blättern Nährstoffe ab.“ Dadurch werden die Blätter braun. In einigen Bereichen kann man dieses Phänomen auch beim Ahorn beobachten. Bei vielen Buchen hat Dr. Mathias Niesar noch einen weiteren Stressfaktor beobachtet: „Im Labor konnten wir auf der Blattunterseite Befall mit Gallmilben feststellen. 

Wetter in diesem Jahr eher durchschnittlich

Als Symptome sind acht Milimeter große, braunschwarze Flecken zu sehen. Birken, die sehr schnell auf Hitzewellen reagieren, sind erstaunlicherweise noch recht gut belaubt. Und auch Eichen haben überwiegend noch ihre für die Jahreszeit typischen saftig grünen Blattfärbungen. Betrachtet man die statistischen Mittelwerte, dann war das Wetter in NRW in diesem Jahr eher durchschnittlich. 

In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode: Der Sommer war mit 17,7 Grad sogar etwas wärmer (16,3), und kaum nasser 245 l/m² (240 l/m²) als üblich. Als sonnenscheinärmstes Bundesland kam NRW auf nur rund 545 Stunden (554 Stunden).

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