25-jähriger Altenaer sagte unter Eid falsch aus

Altena - Als Felsen, an dem die letzten Hoffnungen von Angeklagten auf Rettung vor einer vollstreckbaren Haftstrafe zerschellen, erweist sich häufig die Berufungskammer des Landgerichts, der Richter Wilhelm Kaiser vorsitzt. So geschah es auch im Fall eines 25-jährigen Altenaers. Das Amtsgericht Lüdenscheid hatte ihn am 16. Januar wegen einer vorangegangenen falschen uneidlichen Aussage verurteilt.

In die Haftzeit von einem Jahr auf Bewährung war allerdings ein noch älteres Urteil einbezogen worden. Der 25-Jährige hatte als Zeuge vor Gericht versichert, dass er einen Angeklagten nicht am Steuer von dessen Fahrzeug gesehen habe – eine Falschaussage, wie das Amtsgericht später feststellte.

Knapp zwei Monate nach dem Urteil hatte es der Altenaer selber nicht so genau mit der Pflicht genommen, sich nur auf der Grundlage einer gültigen Fahrerlaubnis ans Steuer eines Autos zu setzen. Ohne Versicherungsschutz und mit Autokennzeichen, die auf ein anderes Fahrzeug zugelassen worden waren, befuhr er am 11. März die Rahmedestraße.

Wohl wegen der hohen Rückfallgeschwindigkeit gab es nun keine Bewährung mehr. Zu den sechs Monaten wegen Fahrens „ohne“ kam nun auch das Strafmaß von einem Jahr aus der vorangegangenen Verurteilung. Da blieb nur noch die Berufung vor dem Landgericht als letzte Haltestelle vor der Haftstrafe.

Es machte sich allerdings gar nicht gut, dass der Angeklagte im April 2015 mutmaßlich noch einen Internetbetrug begangen hatte. „Der Geschädigte hat das Gerät nicht gekriegt“, stellte der Richter fest. Ganz abgesehen davon, dass er das vom Amtsgericht verhängte Strafmaß als zu milde erachtete: „Ich kann Ihnen nur anraten, diese Berufung schnellstens zurückzunehmen.“

So geschah es dann auch, und der Richter präsentierte einen allerletzten Strohhalm für Verurteilte – den „Gnadenbeauftragten beim Landgericht Hagen“.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare