Altenaer Brandstifter-Prozess in Hagen

Zeugin äußert vor Gericht Kritik an Informationspolitik der Baugesellschaft

Altena - Bilder gucken war am Freitag angesagt im Schwurgerichtssaal des Hagener Landgerichtes. Per Beamer wurden Fotos und Videos an die Wand geworfen, die auf dem Smartphone von Dirk D. gefunden worden waren – allerdings erst im zweiten Anlauf.

An einem der vorangegangenen Verhandlungstage hatte ein Beamter des Staatsschutzes ausgesagt, die Durchsicht des Geräts habe keine für das Verfahren relevante Ergebnisse gebracht. Das bezeichnete Nebenkläger Dr. Mehmet Daimagüler als „Skandal erster Güte“. Die Hagener Polizei sei nicht nur auf dem rechten, sondern auf beiden Augen blind.

Für die Nebenklage lässt das, was am Freitag gezeigt wurde, „für Interpretation nicht viel Raum übrig“. Zu sehen waren zum einen sexistische Bilder – die Aufnahme eines Frauenhinterns im Spitzenhöschen mit dem Text „die gute Hausfrau saugt auch unter der Bettdecke“ gehörte noch zu den harmloseren Motiven. 

Andere Aufnahmen beschäftigen sich mit (vorwiegend farbigen) Ausländern – „Negatief“ steht unter dem Bild eines in einem Erdloch stehenden Schwarzen. Auch Bezüge zur Flüchtlingsproblematik finden sich, zum Beispiel ein Text des Inhalts, dass es ein Unding sei, dass deutsche Rentner Pfandflaschen sammeln müssen, während Asylbewerber mit Smartphones und Markenklamotten herumliefen.

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Adolf Hitler und nationalsozialistische Symbole wie das Hakenkreuz befinden sich einige dutzend Mal unter den tausenden von Aufnahmen, die Dirk D. gespeichert hatte. „Mein Freund ist Ausländer“ steht beispielsweise unter einem Foto, das Hitler und Mussolini zeigt.

Die Nebenklage will anhand der Fotos beweisen, dass D. rechtsextremes und rassistisches Gedankengut pflegte. Die sexistischen Aufnahmen sind für Daimagüler deswegen von Belang, weil sie ein Frauenbild zeigten, die Ds. Angabe, er habe wegen des Flüchtlingsheims Angst um seine Freundin gehabt, unglaubwürdig erscheinen ließen.

Mindestens genauso interessant wie die Bilder war die Aussage einer jungen Frau, die in der Nachbarschaft des Brandhauses wohnt. „Die Gerüchteküche brodelte“, sagte sie über die Zeit vor dem Einzug der ersten Flüchtlingsfamilie. In der Nachbarschaft habe der Verdacht bestanden, das Haus an der Brandstraße werde ausschließlich mit jungen Männern belegt, von 50 bis 70 sei die Rede gewesen. Auch viele ihrer Nachbarn hätten sich Sorgen gemacht.

„Ich fand das nicht in Ordnung, dass wir von der Baugesellschaft nicht informiert worden sind“, sagte sie. Erst auf ausdrückliche Nachfrage sei ihr versichert worden, dass ausschließlich Familien einziehen würden – und das auch noch in eher herablassender Art und Weise. „Hätte man uns das vorher gesagt, wären uns viele Sorgen genommen worden“.

Details zum Löscheinsatz wollte die Kammer von einem Feuerwehrbeamten wissen, der als erster an der Brandstelle war. Außerdem bat Richterin Heike Hartmann-Garschhagen ihn um seine Einschätzung von Dirk D. „Er war immer da und immer hilfsbereit“, sagte er und äußerte „höchsten Respekt“ vom Engagement der ganzen Familie D. Die Tat passe überhaupt nicht zu dem Bild, das er sich über Jahre von Dirk D. gemacht habe.

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