Beziehung zu Neunerade oft alles andere als harmonisch

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50 Zuhörer belohnten den Referenten nach dem interessanten Vortrag mit lang anhaltendem Applaus.

Altena - Der Heimatverein Dahle, der sich mit der Geschichte und den Traditionen des Ortsteils Dahle der Stadt Altena befasst, hatte am Freitagabend zu einem geschichtlichen Vortrag in das Hotel Alte Linden eingeladen.

Es ging dabei um „Dahle und Neuenrade – eine Beziehung im Laufe der Jahrhunderte“. Dazu konnte der Vorstand des Heimatvereins den Wissenschaftler Prof. Dr. Dieter Stievermann als Referent gewinnen. Nicht ohne Stolz stellte Günter Koopmann den gebürtigen Neuenrader Wissenschaftler vor. Er sprach von einem Vollblut-Historiker mit herausragenden wissenschaftlichen Kenntnissen.

Prof. Dr. Dieter Stievermann

Stievermann, der 1972 an der Universität Münster über das Städtewesen in Südwestfalen promovierte, wechselte 1974 an den Sonderforschungsbereich „Spätmittelalter und Reformation“ in Tübingen, an dessen Universität er auch lehrte. Von 1992 bis zu seiner Emeritierung 2011 war er Erstinhaber des Lehrstuhls für neue Geschichte an der pädagogischen Hochschule Erfurt. Eine seiner herausragenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit besonderem Interesse für die Geschichte des Sauerlandes und damit für den Heimatverein von Dahle ist das Buch „Neuenrade. Die Geschichte einer sauerländischen Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart“, die 1990 von der Stadt Neuenrade herausgegeben wurde. Darin setzt sich der Autor auch intensiv mit der Geschichte des Örtchens Dahle auseinander.

Dahle war früher ein Teil der Stadt Neuenrade, später dann des gleichnamigen Amtes, bis es 1969 der Stadt Altena angeschlossen wurde. Mit großem Interesse folgten am Freitagabend rund 50 Vereinsmitglieder und Gäste den Ausführungen Stievermanns. Angefangen von der mittelalterlichen Epoche, über die es recht wenige Aufzeichnungen gibt, über das Spätmittelalter bis hin zur Neuzeit und schließlich zur Kommunalreform 1969, als Dahle ein Stadtteil Altenas wurde, beschrieb Stievermann die Entwicklung von den ersten Gütern bis hin zur eigenen Gemeinde.

Einen ersten rasanten Bevölkerungswachstum gab es in Dahle durch den Drahtzug, der den Aufzeichnungen nach Ende des 16. Jahrhunderts mit drei Drahtrollen begann. Erste exakte Angaben über die bestehenden Haushalte in Neuenrade und Dahle gibt es aus dem Jahr 1716. Einer damaligen Steuerliste seien 129 Namen und somit Haushalte in Neuenrade und 33 Namen (Haushalte) in Dahle zu entnehmen, so Stievermann.

Im Jahr 1738 gab es bereits 14 Wasser betrieben Drahtrollen. Die wachsende Bevölkerung des Örtchens Dahle brachte nicht nur eine Stärkung der Stadt Neuenrade mit sich, sondern auch Probleme. Zum einen waren den Dahlern die Wege zur Kirche und zur Schule zu weit und zum anderen wollte man seine Toten vor Ort bestatten. Das führte immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Orten, bis die Dahler schließlich ihre Selbstständigkeit durchsetzten. Die ersten Toten sollen sie sogar ohne Genehmigung beerdigt haben, führte Stievermann aus.

Im Jahr 1750 beschlossen die Dahler den Bau eines eigenen Schulhauses. 1777 setzten sie dann auch ihre eigene Kirchengemeinde durch, dies war zwar mit großen Kosten verbunden, aber die Gemeinschaft stärkte und das besondere Profil der Dahler. Mit der gewonnen Selbstständigkeit ging allerdings auch der Kampf um die Wälder zwischen Neuenrade und Dahle los. Stievermann sprach zusammenfassend von einem „Wilden Jahrhundert der Dahler Emanzipation“.

Am 1. Januar 1969 wurde Dahle dann schließlich der Stadt Altena zugeordnet. Dieser Schritt beendete ein halbes Jahrtausend, in dem es zwischen Dahle und Neuenrade wenig harmonisch zuging.

Mit großem Applaus belohnten die Heimatfreunde den Referenten für seinen informativen Vortrag Auch der erste Vorsitzende Dietrich Möhling bedankte sich mit einem Geschenk.

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