Besuch bei MdB Dagmar Freitag in Berlin

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Seit 2009 ist Dagmar Freitag Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Seit 2014 ist sie stellvertretende außenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Berlin - Auf der Besuchertribüne im Reichstag ist es mucksmäuschenstill. Wer ein Handy zückt, wird ermahnt, es sofort auszuschalten. Die eigene Meinung zu äußern oder gar Beifall zu klatschen, ist verboten. Im Plenarsaal läuft eine „Aktuelle Stunde“ zum Thema „Beschäftigungssituation von Frauen“. Zusammen mit 49 anderen Besuchern aus dem Wahlkreis der heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag erlebe ich das hautnah mit.

Wir folgen konzentriert den Ausführungen zu Ansätzen, Ideen, Kritikpunkten und teils persönlichen Erfahrungen der Politiker von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Die Redner der Fraktionen sprechen abwechselnd, stellen in ihren fünfminütigen Ausführungen Forderungen auf, wollen an der Gesetzgebung mitgestalten und ihre Kollegen vom eigenen Standpunkt überzeugen.

Das familienpolitische Thema kennen wir alle hinlänglich aus den Nachrichten, teils auch aus Erfahrungen, mit denen wir im eigenen Leben konfrontiert sind. Das wird klar durch stille Blickwechsel, die auf unseren Rängen oberhalb des Geschehens stattfinden. Nach einer knappen Stunde verlassen wir die Bundestags-Tribüne – mit der Erfahrung im Gepäck, erlebt zu haben, wie im Herzen Berlins debattiert und miteinander umgegangen wird.

Jetzt hat Dagmar Freitag Zeit und empfängt uns zur lockeren Gesprächs- und Diskussionsrunde. Sie freut sich sichtlich über den Besuch der Gruppe. Und die bringt ihr prompt nachträglich ein Ständchen zu ihrem Geburtstag, der nur kurz zurückliegt. Das Eis ist gebrochen.

Ehrenamtler besuchen MdB Dagmar Freitag

„Ich möchte ehrenamtliches Engagement würdigen. Meine Botschaft an Sie ist, dass Ihre Arbeit sehr wohl gesehen wird“, wendet sich Freitag an die Reisegruppe. Sie hatte diese Gruppe – eine von jährlich drei Besuchergruppen – als Dankeschön für deren Engagement vom 4. bis zum 7. März in die Hauptstadt geladen. Bürgerbusfahrer aus Werdohl und Grüne Damen aus Altena stellen Fragen über Fragen an die Politikerin. Ebenso Mitglieder des Neuenrader Freundeskreises „Augenblick mal“ für Menschen mit und ohne Behinderung und Landfrauen aus Wiblingwerde, die sich für eine Schule in Simbabwe einsetzen. Auch Betreuer des Balver Demenzcafés, Plettenberger Altenpfleger sowie Initiatoren eines Flüchtlingshilfe-Netzwerks für Iserlohn und Hemer zeigen Freitag und allen weiteren Fahrtteilnehmern, wie vielfältig das Ehrenamt sein kann.

Über zwei Reiseteilnehmer freut sich Dagmar Freitag ganz besonders – zwei Flüchtlinge aus Eritrea, die sich in Deutschland integrieren möchten. Viele Gäste hatten Dagmar Freitag in der Vergangenheit schon mal kennengelernt – im Rahmen diverser Termine und Veranstaltungen zuhause im Wahlkreis. „Das ist ein wesentliches Element meiner Arbeit für den Bürger im Bundestag“, sagt sie. Denn generell gelte: „Demokratie ist keine Einbahnstraße.“

In Schulen, in den Arbeitsagenturen, bei Vereinen, Gruppen und Initiativen – bei den Schützen zum Beispiel oder bei den Landfrauen – hole sie sich wertvolle Informationen und Entscheidungshilfen für ihre Arbeit im Parlament.

Es wird deutlich, dass auch der Bürger am Zug ist und Politik durch Kontakt zu den Abgeordneten mitgestalten kann und sollte. Freitag dazu: „Ich komme sehr gerne zu Terminen und Gesprächen zu den Bürgern, aber diese müssen das natürlich auch wollen. Das ist eben ein Wechselspiel!“

Ein Punkt liegt der Abgeordneten noch ganz besonders am Herzen: „Parteipolitische Erwägungen oder Präferenzen spielen für mich bei Ihrem Besuch übrigens keine Rolle.“ Die Reisen seien schließlich keine Fahrten für Parteigänger. Dann „entlässt“ Dagmar Freitag die Reisegruppe und die besichtigt die Reichstagskuppel. Der Blick über den Platz der Republik und auf die Lichter Berlins in den Abendstunden komplettiert das Gefühl, einmal ganz nah dran zu sein an der Politik in der Hauptstadt.

Doch auch ein dunkles Kapitel der Geschichte arbeiten die Fahrtenteilnehmer während der Reise auf. Die Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen führt allen eindringlich die Gräueltaten der Nationalsozialisten vor Augen. Bei trübem Wetter und durchdringender Kälte wird den Frauen und Männern bewusst, dass auf dem Boden, auf dem alle gerade stehen, Menschen ermordet worden sind.

Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit, als alle stumm in den Baracken stehen, in denen damals Gegner des NS-Regimes und von den Nationalsozialisten als minderwertig eingestufte Menschen gequält wurden. Unbegreiflich und bedrückend nah ist auf einmal das damalige Geschehen. Eindrücke, die jeder nicht so schnell vergessen wird.

Bei einer Informationsveranstaltung bei der Deutschen Gesellschaft dreht sich später alles um die Wiedervereinigung Deutschlands nach der Teilung in Ost und West und um eine Einschätzung der damit verbundenen Chancen. Ein Vortrag mit Produkten aus Afrika als Anschauungsmaterial verdeutlicht die wirtschaftliche und politische Situation in den teils von Armut geprägen Ländern – und im Zusammenhang auch die Arbeit, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung leistet.

Im Info-Center Humboldt-Box gibt es Wissenswertes zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Ein Programmpunkt, der einmal mehr beweist: politisches, historisches und kulturelles Wissen sind miteinander verbunden.

Von Kristina Köller

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