Tagesmütter haben Konjunktur

Altenas Tagesmütter kümmern sich vore allem um Kinder unter drei Jahren. -  Foto: dpa

Altena -  Wenn Mama krank wird, ist eine Tagesmutter oft die letzte Rettung: Es komme durchaus vor, dass freitags der Anruf komme und die Betreuung schon ab Montag gewährleistet sei, berichtete Daniela Funke den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses.

Funke ist Mitarbeiterin des Awo-Tagespflegebüros, dem die Stadt das Thema Tagesmütter nahezu komplett übertragen hat. Das bedeutet vor allem, dass Funke und ihre Kolleginnen sich in Kooperation mit der Volkshochschule um die Aus- und Weiterbildung der Tagesmütter kümmern. Sie bekommen erst dann eine Zulassung, wenn sie einen 160-stündigen Lehrgang absolviert haben.

„Wir gucken, was passt“ – so beschrieb die Fachfrau einen weiteren Aufgabenbereich. Ihr obliegt es nämlich auch, für Kinder, die in Tagespflege kommen sollen, die passende Betreuungsperson zu finden. Dabei sei auf vieles zu achten, erklärte Funke den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses: „Es gibt Eltern, die wollen nicht, dass ihr Kind mit Tieren zusammenkommt“. Meistens spielen jedoch die Betreuungszeiten die ausschlaggebende Rolle: Mit den Tagesmüttern sei vieles möglich, was die Kindergärten nicht leisten könnten. Funke schilderte den Fall einer alleinerziehenden Mutter, die eine Ausbildung in einem Pflegeberuf macht und deshalb eine Betreuung für jedes zweite Wochenende und die Weihnachtsfeiertage suche – auch ihr könne möglicherweise geholfen werden. „Die versuchen, sehr viel möglich zu machen. Da kann man nur den Hut vor ziehen“, sagte die Awo-Mitarbeiterin über „ihre“ Tagesmütter.

Dabei dürfe aber keinesfalls der Eindruck entstehen, dass es nur ums Verwahren gehe. Die Ansprüche an die Tagesmütter seien hoch und vergleichbar mit denen an die Erzieherinnen in den Kindergärten. Auch Tagesmütter müssen Bildungsdokumentation führen, sich einer Art Dienstaufsicht unterwerfen und an regelmäßigen Reflektionsgesprächen teilnehmen, schilderte Funke.

Nur eins ist anders: Die Bezahlung. Es komme durchaus vor, dass Tagesmütter diesen Job wieder an den Nagel hängen, weil das Einkommen nicht ihren Erwartungen entspricht. Vier Euro pro Kind und Stunde zahlt die Stadt, hinzu kommt die Übernahme eines Teils der Sozialabgaben. Von den Kindeseltern werden vom Jugendamt Betreuungsgebühren erhoben, die denen für die Kindergärten entsprechen.

Eine Konkurrenz zwischen Kindergärten und Tagesmüttern sehe sie in Altena nicht, sagte Funke auf Anfrage der grünen Ratsfrau Dr. Rita Rüth. Vielmehr gebe es Kooperationen auf verschiedenen Ebenen, zum Beispiel in den Familienzentren.

Zwölf aktive Tagesmütter gibt es zurzeit in Altena. Sie kümmern sich um 29 Kinder, die ihnen vom Tagespflegebüro vermittelt wurden, hinzu kommen etwa zehn „private“ Betreuungsfälle. Interessant: Von den Kindern, für die Funke zuständig ist, sind 22 unter drei Jahre alt. Die übrigen sieben gehen schon zur Schule – sie gehen zur Tagesmutter, weil es in der schulischen Betreuung keinen Platz mehr für sie gab.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare