Bachforelle ist gefährdet: „Früh auf“ kümmert sich um Nachzucht

Angler sorgen sich um den Leitfisch in der Lenne

Michael Plata und Frank Gerhold beim Einsetzen der Eier in die Brutschubladen. Sie werden vorher desinfiziert, damit keine Krankheiten eingeschleppt werden. Foto: Hornemann

Altena - Erfahrene Angler werden sie sofort erkennen können an ihrem roten Punkt und ihrem weißen Kreis: „So sieht nur unsere Bachforelle aus!”, erklärt Michael Plata, Vorsitzender des Angelvereins „Früh auf”. Sich gegen die Regenbogenforelle durchzusetzen, fällt ihr allerdings schwer. Deshalb tun die Vereinsmitglieder viel dafür, dass aus den 400 000 Bachforelleneiern im Bruthaus möglichst viele Jungfische schlüpfen und ihr Leben in Lenne und Fuelbecke aufnehmen können.

Der Anblick erinnert durchaus an Kaviar und einen entsprechenden Wert hat die Nachzucht der echten Lenneforelle auch: 5600 Euro hat der Verein in die Reproduktion investiert. Entsprechend viel liegt den Mitgliedern daran, die Brut zu hegen und zu pflegen: „In den nächsten acht bis zehn Wochen kommen wir täglich her, um die Brut zu kontrollieren und das Wasser zu filtern”, erklärt Michael Plata. Zudem werden die unbefruchteten Eier, leicht zu erkennen an der weißen Farbe, vorsichtig mit der Pinzette aussortiert.

Das kostet täglich vier Stunden Arbeit. Etwa 20 „Ziehväter” aus den Vereinsreihen haben sich dafür freiwillig gemeldet. Jede der 48 Schubladen im Bruthaus wird dazu täglich geöffnet. Die Eier entwickeln sich im vier Grad Celsius kühlen Tiefenwasser der Fuelbecker Talsperre. Damit ihnen nichts passiert, haben Michael Plata, Frank Gerhold, Ralf Böttner, Udo Lippert und Michael Bauer sie vor dem Einsetzen desinfiziert. Dass das Wasser in Bewegung bleibt, schließt ein weiteres Infektionsrisiko aus.

In freier Natur würde sich schon in diesem Stadium mancher Fressfeind über diesen leckeren Fund freuen. Im Bruthaus in der Rahmede haben die jungen Bachforellen die Chance, so weit zu gedeihen, dass sie schlüpfen und sich vom Inhalt ihres Dottersacks ernähren können. Dann üben sie sich in der Nahrungssuche: Plankton und Kleinstinsekten gehören zum Speiseplan junger Bachforellen. Vier bis sechs Zentimeter wachsen sie im ersten Lebensjahr. Ab dem dritten, bei einer Körpergröße von 14 Zentimetern, sind sie geschlechtsreif und können sich selbst vermehren – wenn nicht der Kormoran vorher zuschlägt. Dieser im Sauerland nicht heimische Vogel ist und bleibt das größte Ärgernis der Angler. „Der trägt viel dazu bei, dass wir den Artenschutz im Bruthaus überhaupt betreiben müssen”, erklärt Michael Plata.

Die Bachforelle ist es aber wert: Jüngst war sie Fisch des Jahres. „In unserer Region ist sie der Leitfisch und seit Urzeiten ansässig. Sie hat auch das Ökosystem unserer heimischen Gewässer geprägt. Erhalten wir sie, dann muss sie nicht auf die Rote Liste”, erklärt Michael Plata.

Kommt eine Bachforelle klassisch durchs Leben, ohne dass ein Fressfeind (in schlechten Zeiten betreibt die Art auch Kannibalismus) oder ein Angelhaken sie erwischt, kann sie bis zu acht Lebensjahre in freier Natur erreichen. „Dann ist sie richtig groß!”, erklären die Angler. „Bachforellen hören nämlich nie auf zu wachsen.”

Entsprechend werden die Kleinen von den“Früh auf”-Mitgliedern verschont, wenn die Saison im Frühjahr wieder beginnt. Generell zählen sie natürlich auch als schmackhafter Speisefisch. Noch sieht man es dem „Lennekaviar” nicht an, aber er wird eines Tages auch den ein oder anderen guten Fang abgeben…

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