Avengers-Boykott im Apollo-Service-Kino

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Nicole Güldner (l.) und ihre Mitarbeiterin Tanja Graumann zeigen den Film „Avengers: Age of Ultron“ in ihrem „Apollo“-Kino nicht. Man müsse sich in Zukunft „auf die Film-Perlen“ konzentrieren. 

Altena - In den vergangenen Jahren hatten Nicole Güldner und ihr Team vom Apollo-Service-Kino einige finanzielle Hürden zu meistern: Die Digitalisierung, der Mindestlohn, die Erhöhung der Grundsteuer. „Das sind mehrere hunderttausend Euro“, so Nicole Güldner. Der amerikanische Medienkonzern Disney sorgte nun für erneutes Stirnrunzeln bei der Kino-Inhaberin.

Die Produktionsfirma hat die Verleihmiete für den Science-Fiction-Actionfilm „Avengers: Age of Ultron“ für Kleinstadtkinos von 47,7 auf 53 Prozent pro verkaufter Eintrittskarte angehoben. „Hinzu kommen 7 Prozent Mehrwertsteuer, 1,8 Prozent für die Filmförderungsanstalt und 1 Prozent für die Gema. Was soll denn da noch für die Kinos überbleiben?“, ärgert sich Güldner.

In ihrem „Apollo“ wird der Streifen deshalb wie in knapp 700 weiteren deutschen Kinos nicht gezeigt. Für den Film, der vergangenen Donnerstag seine Deutschlandpremiere feierte, hatten bereits vier Gruppen Plätze im Altenaer Kino reserviert: „Da wir ein kleines Kino sind, kennen wir die meisten Kunden persönlich. Wir haben mit allen Rücksprache gehalten und jeder zeigte Verständnis für unsere Entscheidung.“

Zuschauerrekorde hätte „Avengers“, nach der Prognose von Nicole Güldner, in Altena sowieso nicht erzielt, man habe sich im Vorfeld nicht „um den Film bemüht“, kein Werbematerial geordert: „Das ist kein Film, in den eine Oma mit ihren Enkeln geht. Er ist sehr speziell und eher ein Fan-Magnet.“ Fans, von denen es im Apollo-Einzugsgebiet wohl zu wenig gebe. Laut Disney-Verträgen hätte der Film in den ersten drei Wochen, für die Kinos sich – im Falle eines Vertragsabschlusses – zur Ausstrahlung verpflichten, insgesamt 51 Mal auf der Apollo-Leinwand laufen müssen. „Bei 73 Plätzen in unserem größten Saal wären das 3 723 Besucher, wenn jede Vorstellung ausverkauft wäre“, lacht die Apollo-Besitzerin über diese „utopische Vorstellung“.

Dass Disney die eigene Preispolitik wieder rückgängig macht und kommende Filme wieder günstiger für Kinos werden, glaubt Nicole Güldner nicht. Man müsse sich nun darauf konzentrieren, „die Perlen zu entdecken“: „Auf manche Streifen kann man eben nicht verzichten. Produktionen, die eine große Bandbreite generieren, wie James Bond, die Minions oder Honig im Kopf, in die Besucher auch generationenübergreifend gehen, müssen und werden auch zukünftig in unserem Programm sein“, verspricht Güldner, die die 53 Prozent Verleihmiete dann zahlen wird. „Es bringt ja nichts, wenn wir jetzt jeden Film von Disney boykottieren. Wer einen Film sehen will, der bei uns nicht läuft, der guckt ihn in einem größeren Kino.“ - Von Daniel Schröder

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