Ausstellung „Kein schöner Land“ im Kreisarchiv / Das Lennetal auf alten Bildern

Einblicke in die Vergangenheit

Die beiden „Macher“ der Ausstellung: Diplom-Archivar Ulrich Biroth und seine Chefin, die Leiterin des Kreisarchivs, Dr. Christiane Todrowski. Foto: Bonnekoh

Altena -  „Unsere Landschaft ist ein Pfund, mit dem wir wuchern sollten!“ – Für Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper ist der Märkische Kreis nach wie vor „die Industrieregion im Grünen“. Das sagte sie vor mehr als vier Dutzend Gästen zur Eröffnung der Ausstellung „Das Lennetal auf alten Fotos und Postkarten“ am Donnerstagabend, 16. April, im Altenaer Kreishaus.

Gezeigt werden rund 150 Fotos und Ansichtskarten aus Nachrodt-Wiblingwerde, Werdohl, Plettenberg und natürlich Altena. Alle Lichtbilder entstanden zwischen 1887 und 1901 und sind nur ein Bruchteil der etwa 20 000 Einzelaufnahmen, die sich im Kreisarchiv aktuell befinden.

Zusammengestellt und ausgesucht hat sie Diplom-Archivar Ulrich Biroth. Seine Chefin, die Leiterin des Kreisarchivs, Dr. Christiane Todrowski, lobte auch den Fleiß ihres Mitarbeiters, dem es gelungen sei, mit dieser Ausstellung eine weitere „Liebeserklärung an das Sauerland“ zu präsentieren.

Launig war die Rede von Dienstel-Kümper, die sich im wesentlichen an romantischen Liedtexten jener Zeit orientierte. Das passte hervorragend in die Eröffnung, die Sopranistin Ricarda Woeste und Tzvetlanka Wiegand am Klavier musikalisch gestalteten. Dienstel-Kümper ging dabei sogar in ihre eigene Jugend zurück, zückte eine alte Mundorgel und präsentierte den aufmerksamen Zuschauern und Gästen Anton Wilhelm Zuccalmaglios Lied „Kein schöner Land“, Mundorgel Nummer 33, „das ich wohl mal auf einer KJG-Freizeit selbst geschmettert habe.“

Biroth führte dann selbst in seine Ausstellung ein und verblüffte unter anderem mit Aussagen, das Altena in der Zeit um 1887 bis 1920 „keineswegs so grün war wie heute. Wer sich die ausgestellten Fotos und insbesondere die Werbepostkarten genauer ansieht, wird feststellen, dass die Hügel flacher und weit nach oben mit Schrebergärten gestaltet waren.“ Der Waldanteil habe damals vielleicht bei „zehn Prozent gelegen“, stellte er fest.

Fotografien, so der Archivar weiter, waren seinerzeit noch sehr selten und teuer. „Im Grunde konnten sie sich nur Betuchte erlauben. So sind häufig auch nur Portraitfotos entstanden.“

Dass die Altenaer schon immer gerne weit reisten, belegen Biroths Ausstellungsstücke. Denn viele sandten Bilder aus Wien, New York, ja selbst aus Australien zurück in die Heimat.

Sehenswert sind insbesondere die Landschaftsaufnahmen aus Altena oder spezielle Stadtansichten. Denn die Fotografen, die von auswärts kamen, am Ort selbst gab es nach Biroths Recherche nur einen einzigen Fotografen, „haben auch die Stadt von hinten fotografiert.“ Neben den schönen Bildern vom Markaner gebe es eben auch die „Hinterhöfe mit qualmenden Misthaufen. Seit ich das gesehen habe, weiß ich, warum der Markaner als Markaner bezeichnet wird.“

Besonderer Hingucker: die bunten Anischtskarten. Doch aufgepasst! Bis 1905 war es verboten, Postkarten zu beschriften. So finden sich stets kurze Grußbotschaften in den bunten Bildern selbst, die andere Seite war der Adresse und dem Absender vorbehalten.

von Johannes Bonnekoh

Die Schau ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr und freitags von 8.30 bis 12 Uhr zu sehen und läuft bis zum 31. Juli.

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