Schienenersatzverkehr fährt Riesenumweg

Was macht der den hier? Der Schienenersatzverkehr für die an den Wochenenden gesperrte Ruhr-Sieg-Strecke wird mit voller Absicht auf einen etwa 14 Kilometer langen Umweg über Lüdenscheid geschickt. -  Foto: Bender

Altena - An der Pott-Jost-Brücke beginnt das große Staunen, jedenfalls bei ortskundigen Bahnfahrern: Dort biegen die großen Gelenkbusse, die an den Wochenenden den Schienenersatzverkehr übernehmen, rechts ab in Richtung Lüdenscheid...

Bekanntlich ist die Ruhr-Sieg-Strecke bis Anfang November an den Wochenenden wegen der Bauarbeiten an den Bahnhöfen Altena und Letmathe gesperrt. Den Schienenersatzverkehr übernimmt die MVG, deren Busse einen satten Umweg machen.

Von Letmathe (wo die Bahnfahrer den Abellio verlassen müssen) bis Werdohl (ab dort fahren die Züge wieder) sind es über die B 236 rund 26 Kilometer, knapp 40 Minuten Fahrzeit veranschlagt der Routenplaner. Die MVG braucht fast eine Stunde, weil sie ihre Busse nicht die direkte Strecke fahren lässt, sondern über Lüdenscheid schickt – ein etwa 14 Kilometer langer Schlenker, der nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet und die Umwelt nicht unerheblich belastet. 115mal fahren die Schienenersatzbusse an jedem Wochenende (übrigens ohne jeden Halt) durch Lüdenscheid, der Umweg summiert sich so auf über 1600 Kilometer. Legt man für die Gelenkbusse einen (vorsichtig geschätzten) Verbrauch von 25 Litern auf 100 Kilometern zugrunde, so werden Woche für Woche rund 400 Liter Diesel nutzlos verfahren – und das bis Anfang November, weil die Bauarbeiten so lange dauern werden.

Der Umweg erfolgt mit vollem Wissen und der Zustimmung von Auftraggeber Abellio. Das bestätigte Anamaria Preuss, die für NRW zuständige Pressesprecherin des Bahnkonzerns. Sie berichtete auf Anfrage, dass ein solcher Ersatzverkehr mit großem zeitlichen Vorlauf geplant werden müsse. Bereits im März seien die entsprechenden Planungen abgeschlossen gewesen. Damals habe man angesichts eines Hinweises von Straßen.NRW noch davon ausgehen müssen, dass die B 236 zwischen Altena und Werdohl gesperrt und der Umweg über Lüdenscheid erforderlich sein werde.

Der hat aus noch einem anderen Grund für Abellio einen gewissen Charme: Die Fahrzeit der Busse beträgt 57 Minuten und passt sich damit nahezu perfekt der 30 Minuten-Taktung der Züge an. Dadurch wurden für die Abschnitte Siegen bis Werdohl und Hagen bis Letmathe Fahrplanänderungen vermieden.

Obwohl die Vollsperrung der B 236 schneller als erwartet aufgehoben wurde, ist es nach Ansicht von Abellio keine Lösung, die Busse auf dem schnellsten und günstigsten Weg fahren zu lassen und den Fahrgästen dann zuzumuten, in Letmathe beziehungsweise Werdohl etwa 20 Minuten auf den Zug zu warten. Das sei anfangs versucht worden, bei den Fahrgästen aber auf Unverständnis gestoßen, berichtete Pressesprecherin Preuss. Fahrpläne müssten eben verlässlich sein – und der im März ausgeklügelte für den Ersatzverkehr ist das eben nur dann, wenn der Bus dem Umweg nimmt.

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