Flüchtlinge und Demografie

Dr. Andreas Hollstein bei Fachtagung in Berlin

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Eröffnung des Kongresses in Berlin.

Altena - Flüchtlinge werden die demografischen Probleme des Landes nicht lösen – diese Erkenntnis brachte der Demografiekongress 2016 am 1. und 2. September zu Tage, an dem auch Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein teilnahm.

Die Veranstaltung beschäftigte sich sehr intensiv mit der Flüchtlingskrise. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière sprach das Thema gleich in seiner Eröffnungsrede an. „Wir nehmen keine Flüchtlinge auf, um unsere demografischen Probleme zu lösen, sondern aus Gründen des Völkerrechts und der Humanität,“ sagte er. Auf Krieg, Flucht und Vertreibung dürfe man keine Demografiepolitik aufbauen. Darum sei auch die Aufnahme von Flüchtlingen kein Bestandteil der aktiven Demografiepolitik der Bundesregierung, so de Maizière. 

Gleichwohl gebe es viele Berührungspunkte. „Wie sich Wachstum und Wohlstand im Land entwickeln, hängt davon ab, wie Integration gelingt“, sagte der Minister. Somit sei Integrationspolitik auch Demografiepolitik. Flüchtlinge können aus seiner Sicht die demografischen Probleme auch nicht lösen, allenfalls langfristig und punktuell. 

Diese Ansicht teilten zahlreiche andere Experten auf dem Demografiekongress, etwa Dr. Gerd Landesberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. „Der demografische Wandel ist unumkehrbar, Flüchtlinge können ihn höchstens etwas abfedern“, sagte er. Rudolf Kast vom Beratungsunternehmen „Die Personalmanufaktur“ sah das genauso. Lediglich 10 bis 15 Prozent der Kriegsflüchtlinge seien derzeit für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert. Für alle anderen müsse man in langandauernde Fortbildung in Sprache und Fachkenntnissen investieren. 

Hollstein hatte sich schon im Vorfeld des Kongresses in einem Beitrag für den Berliner Tagesspiegel geäußert und eingeräumt, dass die Integration ins Berufsleben schwieriger als erwartet sei. Er warnt auch vor überzogenen Erwartungen: „Da es sich um Kriegsflüchtlinge und nicht um Arbeitsmigranten handelt, ist nicht zu erwarten, dass Probleme wie beispielsweise der Ärztemangel wirksam reduziert werden“, schreibt er. 

Unter den 350 Flüchtlingen in Altena seien nämlich nur zwei Ärzte. Zudem seien Berufsqualifikationen in den Herkunftsländern nicht mit den hiesigen vergleichbar. „Es muss die Frage gestellt werden, ob jemand, der in Syrien 15 Jahre als Elektriker gearbeitet hat, nicht entsprechend nachzuqualifizieren ist“, so Hollstein.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare