Andreas Blumentahl ist ein besonderer Handwerker

Eine Kettenhemd-Reparatur ist wie Häkeln

Andreas Blumenthal bei der Arbeit in seiner kleinen Werkstatt. Vor etwa drei Jahren hat er begonnen, die Besucher-Kettenhemden der Burg Altena wieder in Schuss zu bringen. Foto: Keim

Altena - Wer ein Loch in seiner schönsten Jacke entdeckt, der kann damit vielleicht zu einem Schneider gehen und eine Reparatur in Auftrag geben. Oder, falls die Joppe sowieso schon bessere Tage gesehen hat, vielleicht einfach eine Neue kaufen. Aber was tun, wenn man ein Loch im Kettenhemd findet?

Dann kann man froh sein, von Andreas Blumenthals Werkstatt in der Lennestraße zu wissen. Dort entstehen nicht nur solide Arbeiten in Leder oder Schmiedewaren, dort werden auch Kettenhemden repariert. Was einstmals die Oberkörper sehr reicher Ritter vor Schnittwunden schützen sollte – so ein Kettenhemd stellte einen enornem Wert dar – ist heute recht häufig am Leib von als Ritter Gewandeten auf Mittelaltermärkten zu bewundern.

Oder im Burgmuseum. Dort können sich große und kleine Besucher davon überzeugen, wie sich einst ein Rittersmann in dieser sehr speziellen Bekleidung gefühlt hat. „Die Dinger sind schwer. Richtig schwer“, sagt Blumenthal. In der Ausführung für Kinder liegt die Rüstung bei etwa fünf Kilogramm Gewicht – Kettenhemd „light“. Das Kettenhemd für Erwachsene bringt auch gerne mal 15 Kilogramm auf die Waage.

Das aus Tausenden von stählernen Ringen bestehende Geflecht wirkt auf den Betrachter recht flexibel, fast wallend. Zumindest verglichen mit den anderen, festeren Formen von Harnischen, die als „Ritterrüstung“ bekannt sind. So heißt das Kettenhemd korrekt eigentlich „Ringpanzerhemd“, aber diese Bezeichnung ist kaum zu finden. Es gab Wirkmuster wie „Vier mal Vier“ wo jeder Ring vier andere hält. Die Arbeit „am Gewebe“ ist trotz der vermeintlichen Flexibilität überhaupt nicht zu vergleichen mit der eines Schneiders. „Man braucht Geduld, Konzentration und gute Nerven“, berichtet Blumenthal. Die Arbeit erfordere Genauigkeit. „Das ist wie beim Häkeln. Manchmal arbeite ich stundenlang, manchmal geht es aber auch nach einer Stunde schon nicht mehr.“ Schwachstellen gibt es oft an der Krageneinfassung und unter den Armen.

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