Mit Wolfewicz ins All

„Ground Control“ in der Burg Holtzbrinck: Die Flugdirektoren Karsten Wolfewicz (2. von links) und Wolfgang Noack (Mitte) mit den Technikern, die für einen reibungslosen Ablauf der Medienpräsentationen sorgten: Leon Wolfewicz, Malte Fett und Julian Schmidt (von links).

Altena - Es war ein Beitrag für die Abteilung „Pleiten, Pech und Pannen“: Gemeinsam mit Wolfgang Noack erzählte Karsten Wolfewicz die Geschichte der Apollo-Missionen anhand all dessen, was auf dem Weg zum Mond schief gegangen war.

Und das war eine ganze Menge, wie dem Publikum in der Burg Holtzbrinck nach dreieinhalb äußerst unterhaltsamen und lehrreichen Stunden klar war.

„Houston, we’ve had a problem“, lautete der berühmte Notruf aus der Kommandokapsel von Apollo 13. Die spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte der Apollo-Missionen durfte natürlich nicht fehlen an diesem Abend. Doch die beeindruckende Aufbereitung des Dramas durch den Film „Apollo-13“ erlaubte es, diesen Katastrophen-Flug an diesem Abend nicht zur Hauptsache werden zu lassen. Denn viele andere Zwischenfälle wurden nie einem breiten Publikum bekannt oder inzwischen vergessen. Es war also viel Neues zu erfahren und viel zu sehen. Der Autor des „Gartens der Geschichte“ hatte einmal mehr viele Modelle und reiches Anschauungsmaterial mitgebracht – von der kleinen Saturn-5-Rakete bis zum Radioteleskop.

„Die Liste, was alles schief gehen kann, ist lang“, stellte Karsten Wolfewicz eingangs fest und arbeitete sich vom Start bis zur Landung durch alle Pannen, die sich auf den drei vorbereitenden Missionen und bei den drei Mondlandungen ereignet hatten.

Schon der Start stand unter keinem guten Stern, als zwei Blitze in die startende Saturn-5 der Apollo-12-Mission einschlugen. Nur dem Geistesblitz eines 24-jährigen Ingenieurs war es zu verdanken, dass die Bordelektronik neu gestartet werden konnte. Die Reise zum Mond hätte ansonsten ausfallen müssen.

Zwei Flüge später hatte die Kommando-Kapsel von Apollo 14 nach Erreichen der Erdumlaufbahn große Probleme, die Mondfähre anzudocken, um sie aus der dritten Stufe der Saturnrakete zu ziehen. Bei Apollo 11 – ansonsten weitgehend eine Bilderbuchmission – ging ausgerechnet der Schaltknopf für die Zündung der Rückflugtriebwerke des Oberteils der Mondlandfähre zu Bruch. Ein Kugelschreiber half beim Rückstart.

Probleme hatte es schon bei den vorbereitenden Flügen von Apollo 8, 9 und 10 gegeben: Die Bordcomputer, die noch einem anderen Zeitalter der Technik entsprungen waren, erwiesen sich entweder als zu schwer oder zu leistungsschwach, und vor allem wurde die aus rund einer Million Teile bestehende Mondlandefähre nicht fertig. Große Schwierigkeiten gab es, als die Mondmissionen ab Apollo 15 ein Fahrzeug mitnehmen sollten. Erst eine Initiative von General Motors brachte das Auto wieder auf Kurs. „Man könnte fast sagen, das Mondauto ist ein Opel“, scherzte Karsten Wolfewicz.

In einem Punkt war er sich sehr einig mit seinem Experten Wolfgang Noack, der für die europäische Weltraumagentur ESA selbst an Missionen im deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen teilgenommen hatte: Trotz der Pannen war das Mondlandeprogramm ein Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Die beste Aktion von „Mission Control“ sei aber die Rettung von Apollo 13 gewesen.

Das Programm wird am 1. Dezember ab 19 Uhr in der Burg Holtzbrinck wiederholt.

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