Unfall wie in Bad Aibling für Feuerwehr der Gau

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Drei Eisenbahntunnel gibt es auf Altenaer Stadtgebiet. Der mit Abstand längste ist mit fast einem Kilometer der Buchholzer Tunnel. Kommt es darin zu Unfällen, hat die Feuerwehr ein erhebliches Problem.

Altena - „Was wäre wenn...“ – dieser Gedanke schoss Alexander Grass durch den Kopf, als er am Dienstag die Bilder des schweren Eisenbahnunglücks in Bad Aibling sah. Sie waren für ihn Anlass, sich einmal mehr gedanklich mit der Frage zu befassen, was nach einem schweren Zugunglück auf der Ruhr-Sieg-Strecke passieren müsste.

Am grünen Tisch hat der Leiter der Altenaer Feuerwehr solche Szenarien längst durchgespielt: Auf der Führungsakademie der Feuerwehr lernen angehende Wehrführer auch, was bei Zugunglücken zu tun ist. Praktische Erfahrungen sammelte Grass unter anderem nach einer Selbsttötung im Buchholz-Tunnel. Der betroffene Abellio blieb mitten im Tunnel stehen, die Wehr wurde zur Hilfe gerufen.

Es gebe für solche Fälle einen kurzen Draht zwischen der Kreisleitstelle und der Fahrdienstleitung der Bahn, berichtet Grass: „Am wichtigsten ist, dass sofort die Strecke gesperrt wird“. Erst wenn das schriftliche Okay der Bahn per E-Mail oder Fax vorliegt, dürfen seine Leute auf die Gleise. Es sei denn, der Fahrdraht ist beschädigt. Dann muss zunächst ein Notfallmanager der Bahn die Leitung erden – auch das hat Grass schon erlebt. „Ich war erstaunt, wie schnell der da war“, erinnert er sich.

Bei dem Zwischenfall im Buchholz-Tunnel lernte Grass einen weiteren Dienst der Bahn zu schätzen. Der traumatisierte Zugführer sah sich nicht mehr imstande, den Zug aus dem Tunnel zu fahren – auf seinen Hinweis hin nutzte Grass ein „Servicetelefon“, das auf jedem Führerstand vorhanden ist und das auch aus Tunneln heraus eine sofortige Verbindung zur in Frankfurt ansässigen Leitstelle der Bahn ermöglicht. „Die haben dann recht schnell einen neuen Zugführer geschickt“, erinnert er sich.

Der letzte größere Bahnunfall in der Region ereignete sich 2004 am Bahnübergang in Einsal – immerhin ein Einsatzort, der für die Einsatzkräfte gut erreichbar ist. Für weite Teile des Altenaer Stadtgebietes gelte das nicht, sagt Grass: Passiere zum Beispiel zwischen dem Buchholztunnel und Elverlingsen auf der Ruhr-Sieg-Strecke ein Unfall wie in Bad Aibling, dann müssten Verletzte womöglich auch über die Lenne abtransportiert werden – fast unmöglich bei einem Wasserstand wie dem derzeitigen. „Ein Problem kann es auch sein, schweres Gerät wie zum Beispiel Rettungsscheren zur Einsatzstelle zu bringen“, berichtet Grass. Für solche Fälle ist er auf die Hilfe benachbarter Wehren angewiesen – in Hagen gibt es einen Rüstwagen, der auch auf Schienen fahren kann, die Werdohler Wehr verfügt über einen Rollwagen, der auf die Schienen gesetzt werden und von Hand zur Einsatzstelle geschoben werden kann.

700 Retter waren in Bad Aibling im Einsatz – eine Zahl, die Grass nicht sonderlich erstaunt. Wenn es beim Zusammenstoß zweier Züge zu einem Massenanfall von Verletzten komme, dann werde sich im Märkischen Kreis ein ähnliches Szenario abspielen. Allein die in Altena ansässigen Hilfsorganisationen (neben der Freiwilligen Feuerwehr die Werksfeuerwehr von VDM Metals sowie DRK und THW) verfügten über rund 400 Helfer, berichtet er. Verstärkt würden sie in solchen Fällen durch Einheiten aus den Nachbarstädten.

„Eine gewaltige logistische Herausforderung“ warte nach solchen Unglücksfällen auf die Einsatzleitung, sagt Grass. An Altena bekäme die Wehr unter Umständen sogar ein echtes Platzproblem: Verletzte würden in solchen Fällen zunächst zu einem zentralen Behandlungsplatz gebracht, wo der Leitende Notarzt nach einer Sichtung und Registrierung die Weiterleitung in die Krankenhäuser organisiere – „allein dafür ist eine 100 mal 50 Meter große Fläche vorgesehen“. Hinzu kämen Bereitstellungsräume für anrückende Hilfskräfte, Landplätze für Rettungshubschrauber und derlei mehr.

Man merkt: Gedanklich ist Altenas oberster Feuerwehrmann auf solche Szenarien vorbereitet. Aber: „Wirklich erleben will ich das aber bitte nie“.

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