Altenaer zweifeln an Elektroautos

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In Altena gibt es mit Matthias Rüth erst einen Tesla-Besitzer.

Altena - Die Skepsis ist groß: Trotz der Pläne der Bundesregierung, bis zum Jahr 2030 sechs Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen und dieses Vorhaben auch mit einer Kaufprämie zu forcieren, zweifeln die Bürger Altenas an der tatsächlichen Umsetzung des Plans.

„Ein Privatmann kann doch so ein solches Auto gar nicht bezahlen“, meint Walter Bröker. Auch Dieter Richter von der Verkehrswacht sieht in den Preisen von Elektroautos eine große Hürde: „Diese Autos kosten um die 50 000 Euro, ein Tesla sogar um die 80 000 Euro. Das ist für einen normalen Bürger nicht möglich. Man muss die Relationen sehen. Die Idee an sich ist schön und gut, aber sie ist so nicht machbar.“ Derselben Meinung ist Marie-Luise Heinemann. Sie glaubt, dass sich viele Menschen so ein Auto gar nicht leisten können. 

Kaufprämie ist kein Anreiz

Auch die Kaufprämie von 4 000 Euro für reine Elektroautos und 3 000 Euro für Plug-in Hybride ist für viele Altenaer kein Anreiz: „Nein, das macht bei den hohen Preisen keinen großen Unterschied mehr“, sagt Richter. Bis 2019 will die Bundesregierung insgesamt 600 Millionen Euro in die Kaufprämie investieren, die zu gleichen Teilen vom Bund und von der Industrie übernommen werden sollen. Autos mit einem Kaufpreis bis zu 60 000 Euro werden gefördert, Tesla fällt also aus dem Raster.

 In Altena ist im Moment nur ein Auto der amerikanischen Marke zu sehen, nämlich das von Hals-Nasen-Ohren-Arzt Matthias Rüth, der sich für etwa 80 000 Euro das Modell S 70 D gekauft hat. Elektroautos werden jedoch nicht nur von Tesla gebaut. 

Nicht nur Tesla baut Elektroautos

Auch VW, Smart, Citroën, Peugot, Nissan oder Renault bieten solche Fahrezeuge an. Die Preise liegen zwischen 19 000 und 35 000 Euro, allerdings ist auch die Leistung deutlich schwächer als beim Tesla, dessen Reichweite 470 Kilometer beträgt und bis zu 210 Kilometer pro Stunde schnell ist. So hat zum Beispiel der Renault ZOE, der baulich mit dem Renault Clio vergleichbar ist, eine Reichweite von 210 Kilometern und eine Maximalgeschwindigkeit von 135 Kilometern pro Stunde.

 Dafür kostet er aber auch mit ungefähr 21 500 Euro gerade einmal ein Viertel des Preises, der für einen Tesla auf den Tisch gelegt werden müsste. Auch die Leistung der Elektroautos gibt auch Dieter Richter zu denken: „Man ist damit auf Kurzstrecken beschränkt.“ Laut Karen Bröker seien Elektroautos aufgrund ihrer Reichweite höchstens „Stadtautos“ und damit nicht wirklich praktikabel. 

Praktikabilität schreckt ab und Herkunft des Stroms ist fragwürdig

Auch die Frage der Herkunft des Stroms wirft Fragen auf. So ist den manchen Leuten das Auflade-Netz noch zu klein und die Ladezeit zu lang: „Das geht ja nicht gerade schnell“, meint Walter Bröker. Stundenlang wolle er nicht warten, bis das Auto geladen sei. Karen Bröker zweifelt auch an der Herkunft des Stroms und dem damit verbundenen tatsächlichen Umweltschutz: „Irgendwo muss ja auch dieser Strom herkommen.“ Nicht zuletzt ist auch die Alltagstauglichkeit der Elektroautos ein Thema: „Die sind so leise. Man hört sie nicht kommen und auf einmal stehen sie vor dir. Da kann man schon ganz schön erschrecken“, sagt Michael Jabor. 

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vermeldete zum 30. September insgesamt nur 4 451 Anträge für die Kaufprämie seit Juli 2016. Noch ist das E-Auto also bundesweit – und auch in Altena – ein Flop.

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