400.000 Euro mit Zinsversprechen ergaunert

Altena -  Ein Kapitalanlagebetrug in großem Stil beschäftigt seit Mittwoch, 29. April, das Amtsgericht. Das Schöffengericht verhandelt gegen einen 55-jährigen Versicherungskaufmann aus Altena.

Der Mann soll einem Schweizer Unternehmen dabei geholfen haben, zahlreiche Anleger vor allem in Norddeutschland um ihre Ersparnisse zu bringen. Dadurch entstand zwischen 2006 und 2008 ein Schaden, der deutlich über 400 000 Euro liegen dürfte.

Der Angeklagte soll die Anleger durch völlig unrealistische Zinsversprechen gelockt haben: Zunächst zwei Prozent – nicht etwa pro Jahr, sondern pro Monat. Später sollten die Anleger angeblich sogar 36 Prozent Zinsen pro Jahr auf ihre Ersparnisse bekommen. Laut Anklage folgten etwa 25 Anleger im Tatzeitraum diesem Lockruf des Geldes. Sie stellten dem Unternehmen, das der Angeklagte vertrat, Beträge zwischen 5000 und 132 500 Euro zur Verfügung. Zwei Modelle zur Rückzahlung der Anlagen sollen den Anlegern vorgegaukelt worden sein: Entweder monatliche Zinszahlungen in Höhe der versprochenen zwei oder drei Prozent oder eine thesaurierende, die angeblichen Erträge also wiederanlegende Variante.

Wer bei einer Verzinsung von drei Prozent 10000 Euro anlegte, sollte nach einer Laufzeit von fünf Jahren angeblich 54636,03 Euro ausgezahlt bekommen. Bei drei Prozent und einer Laufzeit von sieben Jahren sollte sich der Anlagebetrag mehr als verzehnfachen.

Ein weiteres Modell sah die Einzahlung des Anlagebetrages in der Kombination mit einer Lebensversicherung vor, die aus den Erträgen angeblich bedient werden sollte. Auch ein Versicherungsunternehmen soll laut Anklage durch nicht gezahlte Prämien auf diese Lebensversicherungen geschädigt worden sein.

Von den versprochenen Erträgen träumten die Anleger vergebens. In keinem der angeklagten Fälle sollen sie auch nur entfernt das zurückbekommen haben, was sie eingezahlt hatten. Bestenfalls zahlte das Schweizer Unternehmen einige Monatsraten der versprochenen Zinsen, um die Anleger in Sicherheit zu wiegen. Einige von ihnen reagierten auf dieses scheinbare Erfolgsmodell mit der Anlage weiteren Geldes – ihres eigenen oder das der Ehepartner. Die Summe der angelegten Gelder liegt laut Anklage bei etwa 480000 Euro – durch die sporadischen Zinszahlungen liegt der tatsächliche Schaden aber wohl etwas darunter.

Der Angeklagte wollte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Er beantwortete lediglich Fragen zu seiner Person und zu seiner wirtschaftlichen Lage. Durch die ganze Geschichte habe er sein Haus verloren. Nun stehe er vor einem Umzug und lebe von Hartz- IV, berichtete er.

Der 55-Jährige hat das Geld also offenbar nicht und ist möglicherweise selbst Opfer der Machenschaften der Kapitalanlagegesellschaft, in deren Auftrag er in Norddeutschland unterwegs war.

Ein zweiter Angeklagter hätte möglicherweise mehr zum Verbleib des Geldes sagen können. Doch dieser Mann mit einer Adresse in St. Gallen in der Schweiz ist verschwunden, sein Anwalt ist verstorben. Es wird mit internationalem Haftbefehl nach ihm gefahndet.

Der Prozess wird am 19. Mai ab 13 Uhr im Amtsgericht Altena fortgesetzt. Es werden weitere

von Thomas Krumm

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