Altenaer Ruinen ziehen "Urbex"-Fotografen an

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Die postapokalyptisch wirkende Romantik verlassener und heruntergekommener Gebäude ist für viele Fotografen interessant. Auch in Altena gibt es einige Gebäude, die zahlreiche Motive mit morbidem Charme bieten.

Altena - Die verborgene Schönheit im Verfall entdecken und fotografisch festhalten – im Internet sind viele Seiten und Foren zu finden, die sich dem Hobby namens „Urbex“ (urban exploration, zu deutsch: Stadterkundung) widmen.

Nicht selten sind dabei auch Bilder von Altenaer Ruinen zu finden. Verrostete Türen, eingefallene Wände und vergessene Gegenstände: Für Freunde der „Urbex“-Szene ist Altena ein gefundenes Fressen. Das zum großen Teil verlassene Hochhaus am Nettenscheid, das geschlossene Freibad, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Graetz und ganz besonders die ehemalige Gießerei Basse und Selve bieten unzählige Motive mit morbidem Charme. Viele Hobby- und auch Profifotografen haben sich mittlerweile dieser Thematik verschrieben, auf der Videoplattform Youtube gibt es sogar mehrere Minuten lange Videos von verfallenen Altenaer Gebäuden. 

In Internetforen geben sich die Fotografen unter anderem gegenseitig Tipps, wie am besten in bestimmte Gebäude eingestiegen werden kann. Da steht hier ein Fenster im Keller offen, dort ist ein Bauzaun nicht richtig befestigt und kann zur Seite bewegt werden. Eine Problematik liegt dabei auf der Hand: In den meisten Fällen sind solche Gebäude nicht für Unbefugte zugänglich, der Zutritt ist oft verboten, was durch Absperrungen klar erkennbar ist.

Klarer Kodex: Nichts darf verändert, zerstört oder mitgenommen werden

 „Wenn ein Gelände in irgendeiner Weise nach außen hin abgeschlossen ist, und dazu gehören absolut auch Bauzäune, dann begeht man Hausfriedensbruch, wenn man sich Zutritt zu sogenanntem ‘befriedeten Besitztum’ verschafft. Das gilt zum Beispiel auch für zum Abbruch bestimmte Gebäude oder leer stehende Wohnungen “, gibt Thomas Steinigeweg, Rechtsanwalt für Zivilrecht, zu bedenken. Dies ist im Strafgesetzbuch unter Paragraph 123 festgehalten. Demnach wird Hausfriedensbruch allerdings nur auf Antrag verfolgt. 

Die Fotografen haben jedoch einen klaren Kodex: Es darf nichts verändert, zerstört oder mitgenommen werden. Jeder Ort soll so verlassen werden, wie er vorgefunden wurde. Allein die Ästhetik des Verfalls ist des, der sie auf der Spur sind. Vandalismus ist in diesen Kreisen verpönt. Doch auch zivilrechtlich begeben sie sich auf dünnes Eis: „Jedes Gebäude hat in der Regel einen Eigentümer, und der kann laut Paragraph 903 des Bürgerlichen Gesetzbuches andere von jeder Einwirkung ausschließen“, sagt Steinigeweg. Der Eigentümer habe einen Unterlassungsanspruch, den er auch gerichtlich durchsetzen könne, wenn die Gefahr einer Wiederholung besteht.

Kein rechtsfreier Raum

Fotos im Internet können durchaus ein Indiz für eine solche Wiederholungsgefahr sein. In der Praxis seien solche Fälle jedoch nicht an der Tagesordnung. „Es ist aber kein rechtsfreier Raum“, merkt Steinigeweg an. Es gibt auch solche Fotografen, die die von ihnen gefundenen Orte schützen wollen und weder Adressen noch sonstige Hinweise herausgeben – einerseits, um die Gebäude selbst vor Vandalismus und mutwilliger Zerstörung zu bewahren, andererseits um Massenaufläufe und damit verbundene gesteigerte Aufmerksamkeit der Besitzer zu verhindern.

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