Tischhäuser als Flüchtlingshelfer

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Dieter Tischhäuser kümmert sich ehrenamtlich um Abdoulaye. Der 25-Jährige wartet seit zwei Jahren auf die Entscheidung, ob er in Deutschland bleiben darf oder nicht.

Altena -  „Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen. Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.“ Nicht in Altena.

„Mir geht es um ganz pragmatische Hilfe und nicht darum zu warten, bis das Schiff an die Wand fährt“, meint Dieter Tischhäuser, der zu den ehrenamtlich engagierten Bürgern in der Flüchtlingshilfe gehört.

Seit vier Wochen kümmert sich der 69-Jährige um einen jungen Flüchtling in Altena. Der 25-Jährige aus Guinea ist in Deutschland geduldet, hat aber noch kein Bleiberecht. „Wir haben fast täglich Kontakt“, erzählt Dieter Tischhäuser, der kein „fähnchen-schwingender Helfer“ ist, der in schwarz-weiß-Kategorien denkt. „Für mich ist es wichtig, dass man die Geschichte etwas gelassener angeht. Dann kann man viel mehr schaffen“, findet der Altenaer.

Ängste sind typisch für die Deutschen

Ängste zu haben, so sagt er, gehört zu den Deutschen irgendwie dazu: Ängste vor den Beatles, vor einem Atomkrieg, vor der Wiedervereinigung. „Aber im Grunde haben wir immer alles geschafft.“ Und so glaubt er auch jetzt, dass der Kraftakt rund um den Zustrom der Flüchtlinge zu meistern ist.

Im Stellwerk hat er sein „Patenkind“ zum ersten Mal getroffen. „Abdoulaye bemüht sich sehr, Deutsch zu sprechen, aber es ist noch sehr schwierig. Und ich kann nur noch ein paar Brocken Französisch“, sagt der ehemalige Leiter der Förderschule.

Flüchtlinge brauchen Hilfe bei den Behörden

Wichtig für Dieter Tischhäuser ist, dass er den jungen Mann zu den Ämtern begleitet. „Er hat noch Anspruch auf Berufsberatung.“ Und tatsächlich komme kein Flüchtling mit den Behördengängen und -anliegen alleine klar. Abdoulaye hat in Guinea eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht. „Es wäre natürlich total schön, wenn man ihn so schnell wie möglich vermitteln könnte.“ Auch im ganz normalen Alltag sei Unterstützung hilfreich – „und sei es in der Müllfrage.“

Sein Engagement, so hofft Dieter Tischhäuser, wird auch anderen Menschen Mut machen, die jetzt noch skeptisch sind. „70/80 Prozent haben Ängste“, glaubt Tischhäuser. „Aber alle sehen jetzt, dass ich nicht gefressen und nicht ausgeraubt werde“, schmunzelt der Altenaer. Dumme Kommentare hat er noch nicht bekommen – auch nicht, wenn er sich mit Abdoulaye im Eiscafé trifft. „Warum auch?“, fragt Dieter Tischhäuser.

Unterstützung ohne große Emotionalität

Für ihn ist es eine Unterstützung ohne große Emotionalität, ohne großes Tamtam. „Für mich ist es auch Neuland. Und ich bin gern bereit zu helfen. Ich freue mich, dass es auch viele andere machen“, sagt Tischhäuser.

Den jungen Mann aus Guniea hat er bisher übrigens noch nicht gefragt, warum er nach Deutschland gekommen ist. Um ganz tief ins Detail zu gehen, sei die Sprachhürde noch zu groß. „Und ich möchte ihm auch nicht das Gefühl geben, dass ich ihn aushorche.“

Unaufgeregt helfen, da sein, wenn Abdoulaye einen Ansprechpartner benötigt, ganz egal wofür, bei Behördengängen helfen, Kontakte knüpfen, Hilfe vermitteln. „Das kann ich schaffen. Das möchte ich beibehalten.“ Für den jungen Mann aus Guinea ist es eine glückliche Fügung, dass er jetzt eine Kontaktperson hat. Seit fast zwei Jahren wartet er auf eine Entscheidung, ob er in Deutschland bleiben darf oder nicht.

Ehrenamtliche Hefer stehen bereit

Wenn am 23. Oktober weitere 100 Menschen mit Bleibeperspektive nach Altena kommen, stehen weitere ehrenamtliche Helfer bereit, um die Neuankömmlinge zu unterstützen. Zu jeder der vielen angemieteten Wohnungen wird ein Pate mitfahren und auch zukünftig Ansprechpartner sein.

Dieter Tischhäuser wird dann nicht dabei sein. „Ich sammle jetzt keine Patenschaften“, sagt er, „es bringen sich ja auch noch viele andere Altenaer ein.“ Und tatsächlich waren beim letzten Helfertreff 57 Menschen da, die mit sich mit Tatendrang engagieren wollen.

Wer sich noch beteiligen möchte, kann sich mit Anette Wesemann unter 02352/209218 in Verbindung setzen. Das gilt auch für Menschen, die günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen können.

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