Aussage von Brandsachverständigem

Altenaer Brandstifterprozess: Zeuge erfüllt Erwartungen der Nebenklage nicht

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Eine Zeugin erfüllte mit ihrer Aussage nicht die Erwartungen der Nebenklage.

Altena - Selbst wenn es auf dem Dachboden des von Flüchtlingen bewohnten Hauses an der Brandstraße durch plötzliche Sauerstoffzufuhr etwa durch ein zerborstenes Dachfenster zu einem Vollbrand gekommen wäre, hätten die Bewohner „oberhalb einer halben Stunde“ Zeit gehabt, sich in Sicherheit zu bringen.

Das sagte der Brandsachverständige Matthias Diehl am Freitag vor dem Schwurgericht aus. Noch mehr Zeit wäre nach seiner Einschätzung gewesen, wenn das Feuer sich durch die Decke zwischen Dachboden und oberster Wohnetage gefressen und dort weiter gewütet hätte, führte Diehl weiter aus, als Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn ihn zu dem Brandgeschehen befragte. 

Nach seiner Erfahrung kämen Menschen bei Bränden eher dann zu Schaden, wenn sie sich unmittelbar in brennenden Räumen oder über Brandstellen befänden. Im zweiten Fall sei das Rauchgas gefährlich, welches im konkreten Fall nach oben abgezogen sei und deshalb kein Problem für die Bewohner habe werden können. 

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Trotz dieser Feststellungen sah sich Nebenklägervertreter Mehmet Daimagüler zu der Stellungnahme veranlasst, es sei „pures Glück“ gewesen, dass bei den Feuer am 2./3. Oktober keine Menschen gestorben seien. Er bezog sich dabei auf die Angabe des Sachverständigen, das Brandgeschehen sei durch die Angeklagten „nicht steuerbar“ gewesen. 

Zeugenaussage enttäuscht die Nebenklage

Ganz schlecht lief es für die Nebenklage, als ein Mitarbeiter des Fitnessstudios in den Zeugenstand gerufen wurde, in dem Dirk D. auch dann noch trainierte, als er schon überführt, aber noch auf freiem Fuß war. Daimagülers Kollege Jost von Wistinghausen hatte am Donnerstag ganz kurzfristig beantragt, ihn zu laden – er könne bezeugen, dass D. nach der Tat stolz Glückwünsche entgegengenommen habe. 

Der Mann tat das genaue Gegenteil: „Dummes Zeug“ sei das, D. sei vielmehr ruhiger, distanzierter und „nicht mehr so humorvoll“ gewesen. Sein Versuch, mit ihm über den Tatvorwurf zu sprechen, sei gescheitert: „Er wollte nicht darüber reden, das habe ich respektiert“. Auch im Vorfeld habe es Gespräche über Flüchtlinge gegeben, sie seien „eher allgemein“ geblieben. Fremdenhass habe er dabei nicht wahrgenommen, D. habe aber auch gesagt, „dass er sich nicht mehr so wohl fühlt“, weil so viele Fremde in der Stadt seien. 

Gericht und Nebenklage fokussierten sich einmal mehr auf Dirk D.

Interessant: Auch N., der zweite Angeklagte, trainierte bis Anfang Oktober 2015 in diesem Studio – nach dessen Haltung zu den Flüchtlingen wurde der Zeuge allerdings nicht befragt, Gericht und Nebenklage fokussierten sich einmal mehr auf Dirk D. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Verhandlung. 

Gescheitert ist die Nebenklage mit dem Antrag, die politische Relevanz des Verfahrens gutachterlich prüfen zu lassen. Das habe keine Auswirkungen auf Schuldspruch und Strafmaß, argumentierte die Kammer. Außerdem sei das Gericht selbst in der Lage, eine möglicherweise vorhandene politische Relevanz zu erkennen, sagte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen. 

Stattgegeben wurde dem Antrag, den psychischen Zustand der vom Brand betroffenen Flüchtlingsfamilie B. begutachten zu lassen. Das soll bis zum Verhandlungstermin am 2. September erfolgen, was energischen Protest von Ds. Anwalt Trode zur Folge hatte: Wenn so ein Zeitdruck herrsche, dann entstehe der Verdacht, es werde der erste Beste genommen. Der von vom Gericht ausgesuchte Gutachter sei jedenfalls kein ausgewiesener Experte für Traumatologie.

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