Altenaer Brandstifterprozess: Urteilsverkündung unter Umständen erst im September

Altenaer Brandstifterprozess: Urteilsverkündung unter Umständen erst im September

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Wie wichtig ist die Gesinnung von Dirk D.? „Dies ist kein politischer Prozess“, betonte die Vorsitzende Richterin gestern.

Altena - Klare Worte sprach Heike Hartmann-Garschagen, die Vorsitzende des Hagener Schwurgerichts, am Ende des gestrigen Verhandlungstages: „Dies ist ein Straffall und kein politischer Prozess“, sagte sie.

Von Belang sei die Haltung der Angeklagten gegenüber den Opfern ihrer Tat. Es gehe weniger darum, welcher Gesinnung Dirk D. und Marcel N. seien. Die Richterin reagierte damit auf einen Beweisantrag der Nebenklage, die gerne einen Mitarbeiter einer „mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus“ als Zeuge dafür hören wollte, dass Dirk D. im Internet auf rechtsextremen Seiten aktiv war. Die Verteidigung lehnte das ab: Es gebe beim Bundes- oder Landeskriminalamt genug Sachverstand. Wenn, dann sei der einzuholen. 

Anwalt Andreas Trode: „Aber die lachen sich kaputt über die Bildchen, die wir hier gesehen haben“, Eigentlich wollte das Gericht gestern der Frage nachgehen, welche Inhalte von Marcel Ns. Handy rekonstruiert werden konnten. Daraus wurde aber wegen technischer Probleme nichts. 

Angeklagter teilte und "likte" ausländerfeindliche Inhalte

Deswegen beschäftigte sich das Gericht ein weiteres Mal mit dem Gerät von Dirk D. Diesmal ging es darum, wie als ausländerfeindlich oder rechtsextrem eingeschätzte Inhalte dorthin gelangten. Ergebnis: Vieles wurde dem Angeklagten zugeschickt, der es dann teilte oder „likte“. 

Auf Anraten seines Anwaltes Andreas Trode gab Dirk D. die Klarnamen von drei jungen Männern preis, die immer wieder mit ihm in Kontakt standen. Das Gericht bemühte sich am Nachmittag, die drei Altenaer für heute als Zeugen zu laden. Nicht nur das belastet den Zeitplan. Es ist fraglich, ob wirklich am Freitag das Urteil verkündet werden kann. 

Hartmann-Garschagen bat jedenfalls die Verfahrensbeteiligten, ihr Terminvorschläge für weitere Verhandlungstage im September zu machen. Die einzige Zeugin, die gestern vernommen wurde, war eine Psychologin, die beim Diakonischen Werk in Lüdenscheid arbeitet und dort auch für die Betreuung von Flüchtlingen mit psychischen Problemen zuständig ist. Fünf Monate nach dem Brandanschlag suchte auf Anraten ihres Anwalts jene dreiköpfige syrische Familie bei ihr Hilfe, die im Prozess als Nebenkläger auftritt. 

Zweifel an Aussage von Zeugin

Die 30-Jährige bescheinigte sowohl dem Vater als auch den beiden erwachsenen Kindern eine posttraumatische Belastungsstörung. Sie könne durchaus dadurch ausgelöst worden sein, dass sich die Syrer nach ihrer gefährlichen Flucht aus Aleppo in Altena in Sicherheit wiegten und hier dann den nächsten Schock erleiden mussten. Das könne zu einer Retraumatisierung geführt haben, sagte sie. 

Nicht nur die beiden Verteidiger sahen diese Zeugin skeptisch. Auch die Vorsitzende Richterin äußerte Zweifel an der Schlüssigkeit ihrer Erklärungen. Denn: Drei Termine zu jeweils 90 Minuten hatten die Flüchtlinge mit ihr. Nach einem „Sammelgespräch“ mit allen dreien und einem standarisierten, schriftlichen Test hatte sie für Einzelgespräche gerade mal 30 Minuten pro Klient. Übersetzt wurde dabei von einem Mann, der weder gelernter Dolmetscher noch vereidigt ist und auch nicht medizinische oder psychologische Kenntnisse verfügt, wie Trode anmerkte. Außerdem sei versäumt worden, durch eine medizinische Untersuchung abzuklären, ob die Schlaflosigkeit, über die vor allem der Vater klagt, nicht auch körperliche Ursachen haben könnte. 

Auf Antrag Trodes wurde ein Fernsehbeitrag vom November 2015 gezeigt, in dem der Sohn der syrischen Familie zu Wort kommt. „Traurig“ seien er und seine Angehörigen darüber gewesen, dass nicht alle Altenaer sie willkommen hießen, sagte er damals. Er wünsche sich, dass die Angeklagten erkennen, “dass sie etwas Falsches gemacht haben“. Dazu müsse es aber andere Wege geben als ihre Inhaftierung.

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