Altenaer Brandstifterprozess: Gutachter äußert sich

Altenaer Brandstifterprozess: Gutachter äußert sich

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Im Brandstifterprozess äußerte sich der Brandsachverständiger.

Die Luke zwischen Treppenhaus und Dachboden war zu, als das Feuer im Dachstuhl der Flüchtlingsunterkunft entdeckte wurde – Dirk D. und Marcel N. hatten sie geschlossen, nachdem sie den Brand am Abend des 2. Oktober gelegt hatten. 

Daran habe es gelegen, dass es bei einem Schwelbrand blieb, sagte gestern der Brandsachverständige Matthias Diehl aus. Nach seinen Angaben fehlte es dadurch an Sauerstoff. „Erwartbar“ sei das allerdings nicht gewesen, antwortete er auf eine Frage der Vorsitzenden Richterin Heike Hartmann-Garschagen. 

Es komme durchaus vor, dass ein solcher Schwelbrand so viel Hitze entwickele, dass Fensterscheiben zu Bruch gingen und es dann wegen der abrupten Zuführung von Sauerstoff in kürzester Zeit zu einem Vollbrand des Daches komme. „Ein Brand breitet sich primär nach oben aus“, erklärte Diehl – aber das bedeute natürlich nicht, dass nicht über kurz oder lang darunter liegende Gebäudeteile in Mitleidenschaft gezogen würden. Dazu müssten dann aber die Decke oder die Dachluke durchbrennen, was einige Zeit dauere. 

Dachstuhlbrand hören die Hausbewohner meistens

Hier hakte Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn nach und fragte, welche Geräuschkulisse ein solcher Brand zur Folge habe. „Das hören die Leute in den Stockwerken darunter meistens“, berichtete Diehl aus seiner Praxis. In anderen ihm bekannten Fällen hätten sich Bewohner bei solchen Dachstuhlbränden retten können, weil Nachbarn das Feuer bemerkt und Alarm geschlagen hätten. 

Diehls Vernehmung wurde gestern nicht abgeschlossen, sie soll heute fortgesetzt werden. Außerdem soll dann ein Mitarbeiter des Fitnessstudios aussagen, in dem Dirk D. trainierte. Das beantragte Nebenklägervertreter Jost von Wistinghausen. Er will erfahren haben, dass D. dort nach seiner Tat Glückwünsche entgegengenommen habe und „stolz“ trainiert habe, ohne eine Spur von Reue zu zeigen – ein „Nachtatverhalten“, das in die Urteilsfindung einfließen müsse. 

Von Wistinghausen reagierte auch auf Hartmann-Garschagens Erklärung vom Vortag, der Prozess sei nicht politisch: Er beantragte, ein Sachverständigengutachten einzuholen, mit dem nachgewiesen werden soll, dass es sich bei der Brandstiftung um eine politisch motivierte Straftat gehandelt hat. Ein zweiter Antrag hatte eine psychologische Begutachtung der Brandopfer zum Inhalt. Über beides wurde noch nicht entschieden.

Unklare Zusammenhänge bei Ladung von Zeugen

Wenn ein Gericht von eben auf jetzt Zeugen hören will, erfolgt die Ladung durch die Polizei. Deshalb fuhren am Mittwoch bei zwei bis dato völlig unbescholtenen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Streifenwagen vor. Beide mussten gestern in Hagen aussagen, weil auf Dirk Ds. Handy auch Nachrichten von ihnen gefunden worden waren. Das Gericht hielt diese für so relevant, dass sie in das Verfahren eingeführt wurden. 

Und darum ging es konkret: Einer der beiden hatte kommentarlos eine Nachricht verlinkt, in der es um die sofortige Schließung einer Feuerwehrschule ging – sie wurde als Flüchtlingsunterkunft benötigt. Der andere kommentierte diese Nachricht sinngemäß mit den Worten, der Bevölkerungsschutz interessiere wohl eh keinen und koste nur Geld. Dirk D. selbst kommentierte die Nachricht in keiner Weise. 

Die beiden bestätigten gestern, die Nachrichten geschrieben zu haben. Warum sie dafür so eilig als Zeugen geladen wurden, war ihnen nicht klar – aber damit waren sie nicht allein...

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