Integration vorantreiben

Altena nimmt 100 zusätzliche Flüchtlinge mit Bleibeperspektive auf

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Altena nimmt ab 16. Oktober zusätzlich 100 Flüchtlinge mit Bleibeperspektive auf.

Altena - Die Burgstadt hat dem Land Nordrhein-Westfalen angeboten, über die allgemeine Zuweisungsquote von Flüchtlingen hinaus, zusätzlich 100 Personen mit Bleibeperspektive aufzunehmen.

Zurzeit versorgt Altena 190 über das Regelverfahren zugewiesene Asylbewerber.  „Wir möchten ein Zeichen setzen. Auch gegen die, die mit Ängsten spielen“, sagt dazu Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Bereits seit einem Jahr habe er diese Idee mit sich herum getragen und viele, viele Gespräche geführt. Das sei durchaus zäh gewesen, aber jetzt gelte es, zu handeln.

Keine "Ghetto-Gefahr"

„Altena hat überdurchschnittlich viel Leerstand. Es ist relativ überschaubar, an Wohnungen heranzukommen. Da wollen wir ansetzen.“ Hollstein und mit ihm der gesamte Rat, möchten die Frauen, Männer und Kinder „in Wohnungen dezentral im gesamten Stadtgebiet unterbringen.“ Niemand müsse sich Sorgen machen, dass irgendwo in der Stadt eine Art Ghetto entstehen könne. Diese hilfesuchenden Menschen, etwa aus Bürgerkriegsländern wie Eritrea und Syrien, seien in der Regel überdurchschnittlich jung. „Das ist für uns eine humanitäre, christliche Aufgabe, sich um diese Personen zu kümmern. Sie müssen vernünftig in diese Gesellschaft kommen.“

Helfer an vielen Stellen

Der Bürgermeister sagte, dass das Technische Hilfswerk, THW, das Deutsche Rote Kreuz, DRK, die Feuerwehr, Stellwerk, die christlichen Kirchen und die islamische Ditip-Gemeinde „mit im Boot“ seien. Gesucht werden deshalb „ab sofort“ Wohnungen in allen Stadtteilen, die zwar nicht mehr auf dem absoluten neusten Stand sein müssten. „Wir zahlen 3,50 bis vier Euro pro Quadratmeter. Nur eines ist klar: Bruchbuden wollen wir nicht.“ Auch Hausrat wie Tische, Stühle, Herde und Geschirr werde benötigt.

Ankunft wohl am 16. Oktober

Schriftlich gibt es noch nichts, doch geht die Stadt davon aus, dass bereits am 16. Oktober eine „homogen zusammen gesetzte Flüchtlingsgruppe mit Bussen in Altena ankommt“. Hollstein ließ durchblicken, dass er sich bei diesen Menschen durchaus Hoffnung mache, sie langfristig an den Ort oder Kreis zu binden, um demografisch gerissene Lücken zu schließen. Altena könne diese Zusatzleistung stemmen, weil hier eine Vernetzung „immer geklappt hat.“

Greift Flüchtlingspauschale?

Ob die von Land oder Bund gezahlte Flüchtlingspauschale für diese zusätzlichen Menschen am Ort alle auftretenden Kosten decke, wisse er nicht. Hollstein wörtlich: „Geld interessiert mich nicht. Nicht mehr bei diesem Riesen-Thema für unser Land. Da bin ich völlig einer Meinung mit der Kanzlerin.“ Deshalb sei er bei der Bezirksregierung in Arnsberg auch sofort auf offene Ohren gestoßen. „Altena geht hier voran. Das gibt es bisher in keiner Gemeinde im Land NRW.“ Im Rathaus werde die Logistik und der „Papierkram“ geleistet. „Alles andere läuft ehrenamtlich.“ Er stelle sich Paten vor, Hilfe in Hausgemeinschaften. „Was niemals kommen darf ist, dass Menschen kommen, aber nicht aufgefangen werden. Das führt zu Parallelgesellschaften. Was wir wollen, ist, die Integration voranzutreiben.“ Donnerstag, 18 Uhr, gibt es dazu bereits einen Flüchtlingsgipfel in der Burg Holtzbrinck.

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