Firma Johann Moritz Rump (JMRA) steht vor dem Abriss / Ein Blick zurück

Von Altena aus in die halbe Welt

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Einfahrt an Tor 1: Die eigentliche falsche Bezeichnung IMRA war und ist „nicht totzukriegen“ und hat sich sogar in der werksinternen Beschilderung durchgesetzt.

Altena - Mehr als 9000 Quadratmeter Fläche, auf der zwölf Gebäude stehen. Die Abrissfirma wird eine Menge zu tun haben, wenn es richtig los geht auf dem Gelände der ehemaligen Firma Johann Moritz Rump an der Rahmedestraße.

Der große Industriekomplex mit einer langen Geschichte und einst großer Bedeutung für die Stadt wird demnächst verschwinden, dann wird hier ein Edeka-Supermarkt entstehen. Wie auf dem nördlich angrenzenden Grundstück, wo heute der Netto-Markt steht, wird sich die Industriefläche zu einem Einzelhandelsstandort wandeln. 

1863 Firma gegründet

Rückblick: Auf dem Gelände zwischen Rahmedestraße 33 und 45 wurden im Lauf der Jahre bis zu 10 000 verschiedene Artikel hergestellt. Das geht aus dem Begleitheft für eine Ausstellung zum Kreisheimattag 1988 hervor. Johann Moritz Rump hatte seine Firma 1863 gegründet; sie war durch eine Firmenteilung entstanden. 

Hingucker aus buntem Glas: In einem Treppenhaus, das auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes Nummer 4 liegt, findet sich dieses schöne Fenster. Es ist von der Rahmedestraße aus nicht zu sehen.

Die Unternehmensgeschichte geht zurück auf Diedrich Hermann Rump, der 1756 als Stahldrahtzieher in Altena begonnen hatte. 1776 erbte er einen Anteil der Drahtrolle „Auf der harten Faust“ in der Brachtenbeck und war fortan als Reidemeister selbstständig. 

Die Produktpalette der Nadel- und Metallwarenfabrik von „Johann Moritz Rump Altena“ (JMRA, aber immer wieder als IMRA geschrieben und gesprochen) war wie beschrieben sehr groß. 

Bekannte Produkte

Einen Blick auf die Entwicklung des Traditionsunternehmens warf Hans Langenbach vom Heimatverein Rahmede in einem Aufsatz für die „Ramuthe“, der 2013 erschien. An der Rahmedestraße wurden Produkte mit in Deutschland und Europa sehr bekannten Markennamen wie Inox und Heureka gefertigt. In erster Linie Stricknadeln und zahlreichen Varianten, aber auch Fingerhüte und Handarbeitszubehör und sogar Teppichknüpf-Artikel. 

Es wurden außerdem Haar- und Sicherheitsnadeln hergestellt, aber auch vernickelte Essbestecke, für deren Produktion allein 60 Schleifer beschäftigt wurden. JMRA beschäftigte zu Bestzeiten über 500 Mitarbeiter. 1925 wird berichtet, dass die Firma auch Kronkorken fertigt, ein Jahr später „bedruckte Milchflaschenverschlüsse“. 

Das JMRA-Logo war in 75 Ländern der Erde bekannt.

Im Jahr 1940 erhielt das Unternehmen ein Patent auf den sogenannten „JMRA-K-Verschluss“. Er diente zum Schließen von industriell gefertigten Konserven und wurde im Zweiten Weltkrieg rund 40 Millionen Mal hergestellt. Entscheidend für die Aufwärtsentwicklung des Unternehmens dürfte Otto Winter gewesen sein, der „große Motor des Unternehmens“ – so wird Winter in der Rammuthe beschrieben. 

Der letzte Sohn des Firmengründers, Ernst Moritz Rump, war 1896 aus der Firma ausgetreten und verkaufte sie an Ernst Caspary. Unter Caspary trat Otto Winter als Prokurist in die Firma ein und wurde 1907 Mitinhaber. Nach Casparys Ausscheiden übernahm Winter das Werk allein.

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