Pfarrer Ulrich Schmalenbach und seine Gewänder

Farbenlehre der katholische Kirche

Pfarrer Ulrich Schmalenbach von St. Matthäus, Altena, mit einer Auswahl von Priestergewändern, die bei ihm im gottesdienstlichen Gebrauch sind. Foto: Schröder

Altena -  „Auch bei den Messgewändern des Priesters gibt es eine Mode.“ Ulrich Schmalenbach, Pfarrer an St. Matthäus Altena, kennt sich mit dieser Materie gut aus. Erst anno 2009 präsentierte er seiner Gemeinde aus Anlass des 225-jährigen Pfarrei-Bestehens „viele historische liturgische Gewänder, die wir heute wieder vorsorglich gut geschützt aufbewahren.“ Sie wurden damals erstmals öffentlich gezeigt.

Schmalenbach ist ein „Prunk und Protz“ in der priesterlichen Kleidung am Altar ein Gräuel, „nein, mir überhaupt nicht wichtig“. Er geht zu einem dunklen Eichenschrank in der Sakristei und weist mit der Hand ins Innere: „Schauen Sie, hier verwahren wir unsere liturgischen Gewänder. Mindestens ein Dutzend, oft noch mehr Messgewänder, haben wir hier in allen liturgischen Farben“, erläutert der 59-Jährige und hängt ein besonders schönes Stück an den Schrank.

„Ja, das ist Brokat“, sagt der Seelsorger. „Eine prächtige Arbeit“, ergänzt Küster Peter Frassek, der für die Pflege und Unterhaltung zuständig ist. Längst hält Schmalenbach ein weißes Gewand in der Hand, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat. Zwar hat es keine Stickereien, dafür aber golddurchzogene Fäden. „Wirklich wichtig ist mir aber, das haben mir meine Eltern einst zur Primiz geschenkt.“

Viele der Gewänder, die St. Matthäus im Fundus hat, sind maschinell gewoben, andere gebatikt, wieder andere reine Handwebereien. „Ich gebe aber zu bedenken, wir waren nie eine reiche Gemeinde“, sagt Schmalenbach, während er vorsichtig mit der Hand über einen Stoff gleitet. 1000 Mark, nach oben gibt und gab es aber keine Grenzen, kostete ein Gewand in der Regel. Natürlich besitzt die Großpfarrei neben den Mess- auch Diakongewänder, Chormäntel oder Talare beziehungsweise Rochetts und Stolen.

„Wenigstens eine Stola muss beim Gottesdienst getragen werden“, erläutert der Priester und hält ein wunderschön gearbeitetes Stück in der Hand. Besonders historische Stolen sind häufig reich bestickt und prunkvoll gearbeitet.“

Manchmal passe es aber nicht mehr, sie oder auch historische Gewänder heute noch beim Gottesdienst zu tragen. Es sei eine Frage der Theologie, der Botschaft und Schmalenbach lenkt den Blick auf eine moderne Arbeit. Sie zeigt ein Gewand mit einem Regenbogen. Die Farben leuchten, dominieren, ziehen den Blick auf sich. Doch Stickereien sucht man vergeblich. Allerdings gilt auch für Messgewänder, wie für viele andere Dinge: Sie müssen in Gebrauch sein, das bekommt, gerade Seidenarbeiten, am besten.

Bei der Messfeier trägt der Priester verschiedene Gewänder. Das sind Albe, Stola, Casel und Zingulum. Bei eucharistischen Andachten wird der Chormantel und das Velum getragen, ein mit einem Kreuz bestickter Schulterumhang als Ehrfurchtszeichen vor dem Leib Christi.

Die Albe (lateinisch, albus, weiß), ist das unterste Messgewand und gleicht einer Tunika aus römischer Zeit. Sie ist weiß und wird um die Hüfte mit einem Strick, dem Zingulum, zusammen geschnürt. Die Stola ist ein schmaler Schal und wird immer in der liturgischen Tagesfarbe zumeist über der Albe aufgelegt. Das Messgewand (lateinisch casula, bedeutet Häuschen), ist das Hauptgewand des Priesters und wird zu oberst getragen. In der Liturgie selbst wechseln die Farben des Messgewandes, der Stola, des Zingulums und des Velums. Denn die Farben sind abhängig vom Tag im Kirchenjahr, sowie davon, welche Gedenktage oder Feste gefeiert werden.

Grün wird an den festfreien Sonntagen getragen.

Weiß ist die Farbe der Festlichkeit. Der Priester trägt es in der Oster- und Weihnachtszeit, an den Festen des Herrn, Muttergottesfesten, Gedenktagen der Heiligen (außer Märtyrer) und den Festen der Engel.

Rot steht für die Farbe des Feuers, des Geistes Gottes an Pfingsten und in Firmgottesdiensten und gilt als Symbol des Blutes und wird deshalb am Palmsonntag, Karfreitag sowie bei Märtyrerfesten getragen.

Violett ist das Zeichen von Buße und Umkehr. Seine Zeit ist der Advent und die Fastenzeit. Ulrich Schmalenbach trägt es häufig auch bei Trauergottesdiensten.

Schwarz ist die Farbe der Trauer.

Gold gilt gemeinhin als Zeichen der Festlichkeit. Gewänder, die so gearbeitet sind, können statt jeder Farbe genommen werden, wenn es dem Anlass entspricht.

von Johannes Bonnekoh

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