Ausbildungsbilanz mit Stern

Agentur für Arbeit: Rekordhoch bei den Azubi-Stellen

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Sabine Jungkurth und ihr Vater Ewald (6. und 7. v.l.) von der Jungkurth TeamEnergie GmbH aus der Rahmedestraße 316 fungierten gestern als Gastgeber des Ausbildungs-Bilanz-Gespräches 2014/2015 der Agentur für Arbeit Iserlohn.

Altena - Für Thomas Haensel, den Fachbereichsleiter Berufliche Bildung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zu Hagen, ist der Märkische Kreis „der Ausbildungsmotor der Region“.

Das sagte der Fachmann am Donnerstag im Rahmen einer Betrachtung des Ausbildungsmarktjahres 2014/2015. Dazu waren Vertreter der Iserlohner Arbeitsagentur, des Jobcenters, Arbeitgeber und Gewerkschaftler im Haus von Jungkurth TeamEnergie GmbH in der Rahmedestraße 316 gekommen.

Die wichtigste Botschaft: Die heimischen Unternehmen stellten im Berichtszeitraum 3 290 Azubi-Stellen bereit, was ein neues Rekordhoch sei, so Karin Kläppel, Chefin der Agentur für Arbeit, Iserlohn. Allerdings merkte sie auch kritisch an: „Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Situation deutlich zugunsten eines Bewerbermarktes gewendet.“ Die Chancen auf einen Azubiplatz würden für suchende Bewerber grundsätzlich einfacher. Werner Sülberg, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes und sein Kollege, Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeverbandes der Metall- und Elektroindustrie, Lüdenscheid, betonten, dass gerade vor dem Hintergrund zurückgehender Zahlen von Azubi-Bewerbern das Engagement der Wirtschaft in Richtung qualifizierte Ausbildungsangebote ungebrochen sei Leider sei es so, dass nur noch 45 Prozent aller Schulabgänger direkt in eine berufliche Ausbildung einsteigen würden. Damit die Unternehmen ihren Fachkräftebedarf decken könnten, müssten mehr junge Leute in eine Berufsausbildung einsteigen. Eine kleine Stellschraube könnte hier die Vorbereitung von Flüchtlingen auf eine industrielle Ausbildung sein. Dafür seien aber Sprachkurse, Qualifizierungsangebote und Integrationshilfen nötig.

Dirk H. Jedan, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, sprach davon, dass die Not, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sehr groß sei. Zwar lobe man sich gerne ob des Erfolgsmodells „Duale Ausbildung“, doch müsse man selbstkritisch feststellen: „Wir kriegen es nicht gebacken, das auch an künftige Azubis weiterzugeben. Daran müssen wir arbeiten.“

Jochen Marquardt, DGB-Region Ruhr Mark, lobte zwar grundsätzlich das Bemühen um die Zurverfügungstellung von Azubi-Plätzen, wurde aber auch kritisch. „Die Lage am regionalen Ausbildungsmarkt darf kein Grund zur Untätigkeit sein. Zu viele junge Leute verschwinden noch aus den Statistiken. Wir müssen verstärkt diejenigen Firmen in den Blick und die Pflicht nehmen, die eben noch nicht ausbilden.“

Jungkurth-Geschäftsführerin Sabine Jungkurth und ihr Vater Ewald, sowie Ausbildungsleiter Thorsten Schmidt, lenkten dann den Blick auf ihr Unternehmen. „Ausbildung hat bei uns seit 80 Jahren Tradition. Wir bilden ganz gezielt Jahr für Jahr vier junge Leute für unseren Bedarf aus“, sagte die Geschäftsführerin. Lehrstellen-Bewerber finde man über die Arbeitsagentur, aber auch über Boys- und Girlsdays, Praktika, spreche Studienabbrecher an und nutze soziale Netzwerke wie Facebook. Ihre Erfahrung: Wenn das Elternhaus hinter einer Bewerbung stehe, würde vieles deutlich einfacher.

Karin Käppel hatte bei aller positiven Einschätzung dennoch einen Kritikpunkt, den alle Gesprächsteilnehmer teilten: Fachkräfte und Azubi-Bewerber fände man längst nicht nur in der unmittelbaren Region. „Aber“, so die Iserlohner Agenturchefin: „Die Verkehrssituation im Märkischen Kreis ist nicht optimal. Wer um 6 Uhr mit der Arbeit beginnen muss, für den ist oft sein Unternehmen kaum zu erreichen.“

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