ABC-Trupp der Altenaer Feuerwehr übt Ernstfall

Handgriffe gegen Ätzendes

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Wenn das Rohr beschädigt ist und niemand weiß, was drin ist, gilt der erste Handgriff der Rohrdichtmanschette. Sie verhindert, dass Flüssigkeit austritt und die Umwelt schädigt. Erst dann steht die Analyse des Gefahrstoffs an. 

Altena - Die Gefahr kann auf einem vorbeifahrenden Lkw lauern. Ein Fass kippt um, durch ein Loch tritt unbekannte Flüssigkeit aus. Dann rückt Altenas ABC-Zug an.

Dessen Arbeit interessiert nicht nur die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, sondern auch die Hauptamtlichen der Wache.  Zugleiter Franco Cali hatte am Mittwochabend mal wieder drei „typische Handgriffe“ in Szenarien vorbereitet, die bei Gefahrstoffeinsätzen sitzen müssen. 

Das Interesse an Laugen und Säuren ist in den vergangen Jahren stetig gewachsen innerhalb der Altenaer Feuerwehr: 50 Kameraden gehören dem Zug mittlerweile an, obwohl der Job alles andere als attraktiv ist: Schweißtreibende Gefahrgut-Schutzanzüge, ätzende Stoffe... „Aber auch ein sehr vielseitiges Tätigkeitsfeld, das jenseits des Tagesgeschäfts liegt“, weiß Franco Cali, der mit Sebastian Buchen den ABC-Zug anleitet.

ABC-Zug

Allein der Gerätewagen ist ein besonderer: Er enthält viel besondere Ausstattung, weshalb allein deshalb viel mit ihm geübt werden muss, damit die Feuerwehrleute wissen, wo sie hingreifen müssen. Im Falle des kaputten Fasses muss mit dem Leckmaster Super 300 ein Gerät herangezogen werden, das mit Hebelwirkung auf die kaputte Stelle einwirkt. 

Der dem Leck vorgesetzte Schaumstoff verschließt es zwar nicht vollständig, doch er verhindert das Austreten weiterer Gefahrstoffe weitgehend. Kleinere Beschädigungen können mit Pasten oder dem klassischen Holzpflock gestopft werden.

Holzpflock

Bei löchrigen Rohren, aus denen Chemikalien oder Schmierstoffe austreten könnten, hilft die Rohrdichtmanschette, die in verschiedenen Größen auf dem Gerätewagen vorrätig ist. Um schnell testen zu können, ob man es am Einsatzort mit Säure oder Lauge zu tun hat, gibt das kleine Labor Testmöglichkeiten her, mit dem sich der PH-Wert einer Substanz feststellen lässt. 

„Unsere Aufgabe ist es, ganz schnell Schaden von Mensch, Tier und Natur abzuwenden“, erklärt Franco Cali. Die Feuerwehr verhindert, dass Gefahrstoffe in die Gewässer geraten oder explodieren, so dass Gefahrstoffwolken austreten.

Gefahrstoffwolken

Zu den regulären Diensten am Feuerwehrgerätehaus Brachtenbeck kommen jedes Jahr drei spezielle Übungseinheiten mit Szenarien, so wie am Mittwoch. Traditionell steht im Sommer die härteste Einheit an: Bei sengender Hitze im Gummischutzanzug. Da wird die mobile Kontaminationsstelle hinterher gern zur Abkühlung genutzt. 

ABC-Einsätze sind im Bewusstsein der Bevölkerung kaum verankert. Viele denken an Brände und Unfälle, kaum aber an jene Chemikalien, die in der heimischen Industrie oder auf dem Transportweg durch Altena fließen. „Und wenn was passiert, dann müssen wir wissen, was zu tun ist!“ so Franco Cali.

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