43-jähriger Bewohner für das Kohlberghaus nicht mehr tragbar

Randale in Dahler Pflegeeinrichtung

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Der 43-jähriger Bewohner des Kohlberghauses randalierte mehrfach.

Altena - Gelegentlich kommt das Kohlberghaus an seine Grenzen – vor allem dann, wenn statt der Pflege eine klinische Behandlung der dort lebenden psychisch Kranken angezeigt ist. Der dann notwendigen Verlegung stimmen die Betroffenen nicht immer zu, dann muss sich unter Umständen ein Gericht damit befassen.

Vor dem Landgericht Hagen geht es zurzeit um die dauerhafte Unterbringung eines 43-jährigen Bewohners. Nach einem Besuch in Eickelborn und einer entsprechenden Empfehlung des psychiatrischen Sachverständigen hatte die 3. große Strafkammer den Beschuldigten von der Hauptverhandlung im Landgericht ausgeschlossen. „In Deutschland fehlen einfach die Einrichtungen, so einem Menschen gerecht zu werden“, sagte ein 41-jähriger Pfleger, der von Tätlichkeiten des Beschuldigten berichtete. 

Beleidigungen und Tätlichkeiten gegenüber Bewohnern und Betreuern

Besonders betroffen war er über die Drohung mit einer Rasierklinge nach einem morgendlichen Streit über die Körperpflege. Der Zeuge erinnerte sich auch an einen Schlag ins Gesicht, an üble Beleidigungen und weitere Tätlichkeiten gegenüber anderen Bewohnern und Betreuern. Auch sich selbst gefährdete der Beschuldigte immer wieder – etwa durch das Schlucken von Glasscherben, einem Imbusschlüssel, Bauteilen von Handys. Schädlich war auch das Rauchen ungeeigneter Gegenstände: „Er hat Schuh-Gummisohlen verbrannt und die Dämpfe eingeatmet, damit es ihn irgendwie berauscht.“ 

Alle Zeugen bestätigten, dass der Zustand des 43-Jährigen sich immer weiter verschlechtert hatte. „Er wurde richtig wahnsinnig“, sagte der Pfleger. Als ein unlösbares Problem schilderte er die wiederholte Verweigerung von Medikamenten durch den Beschuldigten: „Wir konnten dagegen nichts machen.“ Ein 36-jähriger Kollege erinnerte sich daran, dass der Mann ihm eine „volle Breitseite“ von Medikamenten ins Gesicht gespuckt hatte. An guten Tagen sei es möglich gewesen, dem 43-Jährigen eine Depotspritze zu geben, deren Wirkung dann längere Zeit anhielt. 

Tritt ins Gesicht

Fahrten zum Arzt wurden für eine weitere Mitarbeiterin des Hauses zu einer untragbaren Belastung: Einmal habe der Patient ihr ins Lenkrad gegriffen, bei einer anderen Gelegenheit habe er versucht, das Armaturenbrett anzuzünden. Bei den Ärzten hatte er sehr klare Vorstellungen davon, was diese ihm verschreiben sollten. Eine 25-jährige Pflegerin berichtete von einem Tritt ins Gesicht eines Mitbewohners und auch von Versuchen sexueller Annäherung: „Man versuchte, ihn auf Abstand zu halten.“ 

Die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft benennt vier Vorfälle, bei denen der Beschuldigte zwischen August und November 2015 im Kohlberghaus Pflegepersonen angegriffen und geschlagen haben soll. In einem dieser Fälle soll er einem Pfleger heißen Kaffee ins Gesicht geschüttet haben. 

Seit Februar ist er vorläufig in der Landesklinik in Lippstadt untergebracht. Die 3. große Strafkammer muss nun entscheiden, ob die Vorwürfe für eine unbefristete Einweisung ausreichen. Der Beschluss soll am Montag verkündet werden.

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