Nach Wetter-Dilemma

Rock am Ring: 90.000 Fans sind abgereist - Ein Rückblick

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Mendig - Nur zwei Tage lang dauerte in diesem Jahr das Festival Rock am Ring, das im vergangenen Jahr vom Nürburgring in ein kleines Tal in der Eifel umgezogen war: Die Wetterlage der Region bewog die Gesamtgemeinde Mendig am Sonntag dazu dem Festival endgültig die Spielgenehmigung zu entziehen.

Von Carmen Möller-Sendler

Erst am späten Samstagabend wurde es bekannt gegeben: Einen Rock am Ring-Sonntag wird es in diesem Jahr nicht geben. Wegen der Unwetterwarnungen auch für Sonntag wurde das Festival nicht etwa abgebrochen, sondern vorzeitig beendet. Der kleine, feine Unterschied im Wortlaut der offiziellen Verlautbarung dürfte der Veranstalterfamilie Lieberberg aus mehreren Gründen sehr wichtig sein, den Fans war das herzlich egal: Kaum eines der Konzerte, für die sie an diesem Wochenende mit Sack und Pack an den neuen Ring-Spielort auf dem ehemaligen Bundeswehrflughafen angereist waren, fand statt.

Am Freitagabend wurden die Auftritte unterbrochen durch das Gewitter, bei dem über 70 Menschen verletzt wurden. Am Samstag forderte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) den sofortigen Abbruch des Rockspektakels, Lieberberg handelte einen Aufschub aus. Also blieben die Festival-Besucher am Samstag zunächst sieben Stunden lang vom Platz ausgesperrt und sollten wegen eines erneuten Unwetters in den Zelten und Autos Schutz suchen. Nach 20 Uhr dann das Aufatmen: Die erneut vor den Toren drängelnden Fans durften wieder auf das verschlammte Gelände; es galt ein Not-Spielplan, der bis tief in die Nacht hinein noch über ein Dutzend Auftritte ermöglichte. Gleichzeitig jedoch erfolgte die Nachricht vom Abbruch des Festivals.

Immerhin kam eine bereits deutlich gelichtete Fangemeinde so doch noch in den Genuss von Bands wie den Red Hot Chili Peppers, Billy Talent, Bullet für my Valentine und The BossHoss, bevor am frühen Sonntagmorgen die Lichter an den drei Bühnen für dieses Jahr endgültig erloschen. Viele waren da bereits abgereist, andere ließen sich Zeit und die vom Veranstalter gesetzte Frist bis Sonntagmittag, 12 Uhr gelassen verstreichen.

Abreise mit Hindernissen

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Rock am Ring mit den Red Hot Chili Peppers und anderen Bands

Ohnehin erfolgte die Abreise vom verschlammten Gelände nur schleppend, im wahrsten Sinne des Wortes, weil viele Fahrzeuge von den Bauern der umliegenden Gemeinden per Traktor erst wieder flott gemacht werden mussten. Eine Hilfe, die auf Appell der Veranstalter eigentlich unentgeltlich erfolgen sollte, die sich der eine oder andere verzweifelte Besucher aber trotzdem etwas kosten lassen musste. Über morastige Wege zur Straße geschleppt werden wollte auch das verschlammte, durchnässte Zeug der Besucher. Überall standen herrenlose Gepäckhaufen herum, die der späteren Abholung harrten. Vieles Unbrauchbare blieb auch auf den Zeltplätzen zurück – auch der Appell der Veranstalter, nicht mehr so viel Müll zurückzulassen, scheiterte am Wetter.

Eindrücke vom verschlammten Rock am Ring 2016 in Mendig

Viele mussten zunächst per Shuttle-Bus ihr Auto am Nürburgring abholen: Bereits zum verregneten Festivalbeginn hatte man die bestehende Infrastruktur ausgenutzt und an der Rennstrecke Ausweichparkplätze als Ersatz für die die überschwemmten Wiesen im Mendiger Tal ausgewiesen. Eltern kamen den verzweifelten Kindern mit Handkarren entgegen, Einheimische transportierten ganze Besuchergruppen samt Gepäck im offenen Pkw-Anhänger, und so mancher schlammverkrustete Schuh blieb zurückgelassen im Morast stecken. Immerhin erfolgte der Abzug der rund 90.000 Besucher dank all der Unbilden kontrolliert und zeitversetzt, so dass die sonst üblichen langen Heimreise-Staus ausblieben.

Quelle: wa.de

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