"Die Räuber" von Schiller

Residenztheater startet politisch in die Saison

+
"Die Räuber" von Friedrich Schiller im Residenztheater in München.

München - Politisch wird es zu Beginn der neuen Spielzeit am Münchner Residenztheater - mit dem Drama „Die Räuber“ von Schiller. Regisseur Ulrich Rasche bringt eine spektakuläre Maschinerie auf die Bühne.

Es ist ein Theaterabend, der Schauspielern und Publikum einiges abverlangt: Mit der spektakulären „Die Räuber“-Inszenierung von Regisseur Ulrich Rasche hat am Freitagabend die neue Spielzeit im Münchner Residenztheater begonnen. Auf der Bühne ein monströses Laufband, das die Schauspieler vier Stunden lang in Bewegung hält, dazu langgezogene Violinenklänge, monotones Trommeln und lautstarker Sprechgesang.

„Die Räuber“ als bedrohliches Kollektiv und zugleich inhomogene Truppe - so zeigt Rasche die Räuberbande, die Schiller einst berühmt machte. Der blutige Bruderkampf um die Gunst des Vaters wird zum Kampf um eine neue Weltordnung. Jedoch: Das Stück erzähle „die Genese einer Bewegung, die jeglicher konkreten politischen Grundlage entbehrt“, sagt Rasche. Die Räuber, denen sich der aufgrund einer Intrige seines Bruders vom Vater verstoßene Karl Moor anschließt, ziehen mordend übers Land. Sie schwören „Tod oder Freiheit“ und suchen Gewalt. Für Karl Moor gibt es kein Zurück.

Die Laufbänder auf der Bühne zwingen zum Weitergehen. Die Räuber marschieren, marschieren, marschieren - in strenger Choreografie und mit stakkatoartigem Sprechgesang. Wer stehen bleibt, fällt. Wer sich ihnen anschließt, kann sich nicht mehr abwenden. Ist die Kriegsmaschinerie erst einmal im Gange, lässt sie sich schwer stoppen. Rasche, der zugleich für das Bühnenbild verantwortlich ist, gestaltete die bedrohliche Kulisse eines gewaltsamen Umsturzes.

In den Hauptrollen überzeugen Franz Pätzold als Karl Moor und Valery Tscheplanowa als Franz Moor. Eigentlich hätte Schauspielerin Bibiana Beglau den Franz spielen sollen, wegen künstlerischen Differenzen kam es dann doch nicht dazu. Tscheplanowa übernahm die Rolle. Franz Moor als zierliches blondes Wesen - genau das Gegenteil der hässlichen, verwachsenen Gestalt, die Schiller vorschwebte.

Ein Zufall ist es sicher nicht, dass das Residenztheater in dieser Saison „Die Räuber“ zeigt. „Eine dramatische Zeit verlangt auch Dramatik“, hatte Intendant Martin Kusej vorher gesagt. Regisseur Rasche relativiert jedoch: „Ich finde wirklich viele gute Gründe, warum es sinnvoll ist, gerade heute die Räuber aufzuführen - dennoch würde ich nicht behaupten, dass ich in meinen Inszenierungen versuche, dies abzubilden.“ Die Politisierung des Theaters sei eine Illusion. Er vermeide bewusst die Lesbarkeit eines Stückes auf die aktuelle Gesellschaft hin.

Bei der Uraufführung des Stückes 1782 in Mannheim gab es tumultartige Szenen, wie ein Augenzeuge berichtete: „Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stapfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe zur Thüre.“

In München gab es zwar keine Tumulte, reichlich Diskussionsstoff hat Rasche mit seiner gewaltigen Inszenierung aber erzeugt. Das Publikum zollte dem Ensemble für seine eindringliche Darbietung - die schon wegen des dauernden Marschierens ein hohes Maß an Konzentration erforderte - mit langanhaltendem Applaus Respekt. Fünf weitere Vorstellungen sind geplant.

dpa

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare