Unser Film der Woche

"Mein ziemlich kleiner Freund": Ein ziemlich großer Spaß

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Nur körperlich nicht auf Augenhöhe – ansonsten verstehen sich Diane (Virginie Efira) und Alexandre (Jean Dujardin) prächtig. Wäre nur die lästernde Umwelt nicht...

München - Laurent Tirard inszeniert mit „Mein ziemlich kleiner Freund“ einen amüsanten Liebestraum für Spätsommertage.

Und genau das ist der Grund, weshalb jeder weiterhin einen Festnetzanschluss pflegen sollte. Kann ja sein, dass man sein Handy irgendwo liegen lässt, ein aufmerksamer Herr einen dabei beobachtet und die Gelegenheit dazu nutzt, von dem Handy aus auf besagtem Festnetzanschluss anzurufen. Die eigene Nummer deshalb unbedingt unter „Zuhause“ im Adressbuch speichern! Eine kleine Plauderei, Schmetterlinge im Bauch – und schon ist man verabredet. Klar, muss ja ohnehin sein, zwecks Handy-Übergabe. Geschickt hat Alexandre (Jean Dujardin) das eingefädelt. Weiß er doch: Hätte er die attraktive blonde Dame direkt angesprochen, hätte er – der 1,36-Meter-Mann – keine Chance gehabt.

Es ist ein charmanter Beginn, den Laurent Tirard hier inszeniert. Denn gleich sind wir mittendrin in dem Hadern zwischen Oberflächlichkeit und Toleranz; und darüber, ob man sich – allen Konventionen zum Trotz – in jeden Menschen verlieben kann.

Wie berichtet, wurde dazu auf allerlei Weise getrickst. Durch VFX-Technik ist aus dem 1,80 Meter großen Dujardin ein kleines Kerlchen geworden. Die Macher haben sich bewusst nicht für einen tatsächlich kleinwüchsigen Schauspieler entschieden. Dass hier jemand künstlich geschrumpft wurde, ist deutlich erkennbar. Das bietet immer wieder Anlass zum Schmunzeln – und macht deutlich, dass das nicht das echte Leben ist, sondern ein Märchen. Eine Liebesgeschichte, von der man träumt.

Denn seien wir ehrlich: Klar ist Alexandre klein wie ein Kind. Aber ansonsten nicht nur makellos anzuschauen, sondern noch dazu reich, eloquent, witzig, erfolgreich. Da ist es schon nicht mehr so hart, zu ihm zu stehen.

Trotzdem hat Diane (Virginie Efira) Hemmungen. Sie verliebt sich in den smarten Architekten, obwohl er eigentlich so gar nicht dem Bild entspricht, das uns erst Märchen und später Hollywood-Schmonzetten in den Kopf gesetzt haben: Jede Frau benötigt einen starken Prinzen, respektive Helden, der sie rettet und beschützt. Dianes Assistentin Coralie (Stéphanie Papanian) bringt’s auf den Punkt: „Wir sind Rassisten, wenn jemand nur etwas anders ist.“ Selbst dann, wenn er einen zum Lachen bringt und glücklich macht.

Beides tut Tirards Film. Der freilich auch allzu vieles schönfärbt. Das verzeiht man ihm gern. Denn wenn man die Hauptrolle mit einem der attraktivsten und bekanntesten französischen Schauspieler besetzt, ist das eine Ansage dafür, dass das hier kein Melodram mit erhobenem Zeigefinger ist, sondern ein Liebestraum für Spätsommertage. Mit kleinem Mann – und großem Spaß.

„Mein ziemlich kleiner Freund“

mit Jean Dujardin

Regie: Laurent Tirard

Laufzeit: 99 Minuten

Sehenswert ((((;

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