Die Maschinenhalle auf der Dortmunder Zeche Zollern wurde restauriert

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Einzigartiges Schaustück: Das Jugendstilportal mit bunter Verglasung an der Dortmunder Zeche Zollern.

DORTMUND - Die Kathedrale der Elektrizität in Dortmund Bövinghausen strahlt wieder. Frisch restauriert ist die Maschinenhalle, das Herzstück der einstigen Musterzeche Zollern. Von Dienstag an ist das Meisterwerk der Industriekultur mit seinem einzigartigen Jugendstilportal und der marmornen Schaltwand wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Gestern stellte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gebäude vor. Die Arbeiten waren dringend notwendig, wie Museumsdirektor Dirk Zache erläuterte. Die Feuchtigkeit hatte einige der Stahlträger zersetzt, so dass die Halle sogar einsturzgefährdet war. Verwitterung an den Fassaden, provisorische „Reparaturen“ wie Regenfallrohre, die mit Klebeband abgedichtet waren, Glasschäden – es war einiges zusammengekommen. 7,6 Millionen Euro kostete die Sanierung, sagt LWL-Direktor Matthias Löb, 90 Prozent davon übernahm das Land.

Ganze neun Jahre dauerten die Arbeiten, was auch an der Vorgehensweise lag. Über allem habe der Respekt vor dem Gebäude gestanden, betont Museumsdirektor Zache. Also ersetzte man nicht einfach die defekten Gefache, was einem Neubau entsprochen hätte, sondern tauschte nur das aus, was wirklich verloren war. Das Gebäude wurde als museales Objekt behandelt, zunächst von Grund auf erforscht, und dann entsprechend aufgefrischt. Schon vor der Tür sieht der Besucher Veränderungen. Hier hat man sogar ausgrabungen vorgenommen – und bemerkt, dass das Bodenniveau um die Halle erhöht worden war. Nun wurde abgetragen, mit der Folge, dass die Treppe am berühmten Jugendstilportal wieder sechs Stufen hat wie einst, zwei mehr als vor der Restaurierung. Innen wurde eine eingebaute Zwischenetage, die für Ausstellungen genutzt wurde, entfernt, um den Charakter einer Industriehalle wiederherzustellen.

Mit wissenschaftlicher Akribie wurden Proben an Pfeilern und Wänden genommen, um die ursprüngliche Farbigkeit wiederherzustellen. Mit Abschliffen und Vergrößerungen unter dem Mikroskop wurden die Farbtöne gesucht. Nun sind die Stahlpfeiler dunkelgrün statt hellgrün, die Decke ist nicht mehr weiß, sondern braun. Wirkliche Authentizität lässt sich allerdings nicht erreichen, betont Zache, denn in den Jahrzehnten, in denen die Musterzeche Zollern arbeitete, wurde auch an ihr verändert. Vieles sei auf Fotos dokumentiert, die allerdings nur schwarz-weiß sind. Zudem gebe es zum Beispiel an der Schalttafel mehr Schalter und Anzeigeinstrumente als bei der Einweihung der Halle 1903. Einfach, weil mehr Funktionen hinzukamen. Entfernen, um an einen „Urzustand“ heranzukommen, könne man solche Umbauten natürlich nicht. Die Arbeiten stellten eine moderne Interpretation dar, eine „abstrahierende Neufassung“. Die großen Glasfenster ließen sich nicht rekonstruieren, weil in den 1950er Jahren eine neue Rahmung eingesetzt wurde. Aber aus Scherben ergab sich, dass kein weißes, sondern blaugetöntes Klarglas verwendet wurde. Das nahm man auch bei der Restaurierung.

Schließlich wurde auch noch der Keller erschlossen, der erhalten ist. Eine Seltenheit in Bauten der Industriekultur, wie Zache betont. In einigen Räumen gibt es museale Inszenierungen, zum Beispiel das Wohnzimmer eines Arbeiters aus den 1950er Jahren. Zudem sind hier nun Sanitäranlagen untergebracht. Viele Partien blieben aber auch unangetastet.

Die Zeche Zollern IV nahm 1903 den Betrieb auf. Die Gelsenkirchener Bergwerks AG legte schon in ihrem Auftrag an den Architekten Bruno Möhring fest, dass die Bauten aufwendiger als üblich gestaltet werden sollten. Mit Erfolg. Der bunt verglaste Windfang ist eine Augenweide, die gewaltige Halle überwältigt mit ihrer harmonischen Gestaltung, und die Schalttafel aus Marmor erinnert nicht zufällig an einen Altar. Schon nach wenigen Jahren war die Zeche eine Sehenswürdigkeit, in einem Reiseführer von 1905 wurde die Maschinenhalle gelobt, „deren Größe und Schönheit die der meisten Prunksäle übertrifft“. Auf Zollern wurde erstmals vollelektrisiert gearbeitet, der Strom mit Dampfgeneratoren vor Ort erzeugt, und nebenbei wurde der Ortsteil Bövinghausen mitversorgt. Als die Förderung 1955 eingestellt wurde, verfiel die Anlage und sollte abgerissen werden. Erst das Engagement von Künstlern wie Bernd und Hilla Becher und von Museumsleuten wie Paul Ruhrberg und Jürgen Harten bewegte das Land, die Anlage unter Denkmalschutz zu stellen. Heute nimmt Matthias Löb für den LWL in Anspruch, mit der Erhaltung und Entwicklung der Zeche Zollern Vorreiter bei der Industriekultur zu sein. Das Industriemuseum des LWL mit seinen acht Standorten wurde 1979 gegründet, zehn Jahre vor der IBA Emscherpark. Heute hat es jährlich 400 000 Besucher.

Nun kann man also die lichtdurchströmte Halle neu erleben, die gewaltigen Maschinen bestaunen. Eine elektrische Fördermaschine wurde übrigens wieder in Gang gesetzt. Ehrenamtliche Helfer, die noch über das nötige Ingenieurswissen verfügen, machten es möglich. Zwei Konzerte der Ruhrtriennale gab es hier schon vor der offiziellen Eröffnung, weitere sollen folgen, außerdem Ausstellungen. Aber die prachtvollste Sehenswürdigkeit ist die Maschinenhalle selbst.

Sonderführungen vom 6.–10.9. tägl. 14 und 16 Uhr, Sonderprogramm am Tag des offenen Denkmals (11.9., 10 – 17 Uhr). Zeche Zollern, geöffnet di – so 10 - 18 Uhr, Tel. 0231 / 6961 111, www.zeche-zollern.de

Quelle: wa.de

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