Marta Herford zeigt Fotografien von Gefeller, Marti, Onorato und Krebs

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„Hundhund“ (2006) nennt Fabian Marti seine Fotografie . Eine Doppelbelichtung, die im Marta Herford neben zwei weiteren Foto-Positionen ausgestellt wird.

HERFORD - Wie leicht ist es heute, ein Foto zu machen. Mit dem Handy oder Smartphone. So nebenbei, gucken, klick, fertig. Der Moment des Bilderlebnisses wird deutlich komplexer, wenn man sich auf die Technik der Fotografie einlässt. In Herford ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die Fotografien und Objekte zeigt, die nicht so augenfällig sind, sondern in ihrer Bilderscheinung überraschen. Im Museum für Kunst, Architektur und Design (Marta) werden drei Positionen von zeitgenössischen Fotokünstlern ausgebreitet, die einen Prozess festhalten wollen: die Auflösung des Bildes.

Was vermittelt sich uns als real in der Fotografie, was als befremdlich, unwirklich? „Momente der Auflösung – Fotografische Werke von Andreas Gefeller, Fabian Marti, Taiyo Onorato und Nico Krebs“ bietet rund 100 Werke und ist eine Reaktion auf die digitale Technik, die jedes Motiv, das aus gespeicherten Bytes besteht, verändern kann.

Fabian Marti ist mit seinem Schwarzweißbild „Hundhund“ (2006, Injektprint) der alten Analogtechnik noch ganz nah. So eine Doppelbelichtung ist mit jedem Rollfilm und einer Spiegelreflexkamera zu machen. Aber der Schweizer Künstler vergrößert sein Motiv und bearbeitet die digitale Datei, so dass „Hundhund“ unheimlich und mystisch wirkt. Dem Tier ist aber sein freundliches Wesen anzumerken. Doch ein Familienmitglieder?

Marti mag die klassischen Methoden der Fotografie. Fotogramme haben es ihm angetan, die in den 1920er Jahren beispielsweise von László Moholy-Nagy am Bauhaus erprobt wurden. Marti lässt in der Arbeit „Backwards B“ (2014) über die grafische Linien- und Lochstruktur rote Farbe fließen, die das Fotopapier „blutig“ machen. Neben starken Kontrasten greift der Künstler auf kulturell tradierte Strukturen zurück, wie der Spiralenform, die eine hypnotische Wirkung hat. „Virgin Target Egg“ (2008) ist in Blassrosa und Violett eine eigenwillige Popart-Variante mit der Ewigkeitsform des Eis. Marti entfernt sich vom Fotografischen mit seinen kopfüber hängenden Figuren aus Epoxidharz: „Hanged Man“ (2016). Das durchscheinende Material (mit Pigmenten) ergibt einen skulpturalen Zustand, der in sich hermetisch scheint und in der Kombination mit Einbauten wie Regal, Tisch und Stuhl eine zusätzliche Qualität im Ausstellungsraum gewinnt. Gleichwohl abstrahieren diese Arbeiten vom Gegenstand, also von den Möbelformen.

Andreas Gefeller geht in seinem fotografischen Werk weniger experimentell denn kalkuliert vor. Der Düsseldorfer Künstler entwickelt seine „ungesehenen Bilder“ am Monitor. „Ohne Titel (Baumschule)“ von 2005 ist eine leichte und großformatige Bilderscheinung, die das Geäst von Baumkronen streng reiht und so einen feinen Kontrast zwischen dem Naturnahen und dem Geordneten herstellt. Gefeller erarbeitet sich diese Faszination, in dem er Aufsichtbilder fotografiert und dieses Material einscannt, um am Computer dann eine Luftbild-Imitation zu entwickeln. So wie er mit diesem Verfahren auf Details fokussiert, so wuchtig geht er in seiner Architektur-Serie vor. „IP 18“ (2014) zeigt eine monströse Gerüstkonstruktion, die überbelichtet wirkt und ihre Gegenständlichkeit in einem strahlend weiß-gelben Grundton beinah auflöst. Gefeller nutzt verschiedene Techniken der Abstraktion. Ihm gilt die Fotografie „als Imaginationsansatz“. „Ohne Titel (Plattenbau 1) von 2004 ist eine Datenzusammenstellung (Lightjetprint), die aus der gleichförmigen Raumaufteilung von Geschosswohnungen eine malerische Qualität in matten Tönen entwickelt. Die Fotografie arbeitet mit malerischen Vorbildern.

Sehr vielschichtig ist auch die Position des Schweizer Fotografenduos Taiyo Onorato & Nico Krebs. Beide überraschen mit dem Ansatz, analoge Bildapparaturen des frühen 20. Jahrhunderts mit signifikanten Überresten von Tieren zu verbinden. Da steckt der Balg einer Plattenkamera zwischen den Schädelhälften einer Antilope: „Antelop Cam“ (2014). Linsentechnik wird mit Schildkrötenpanzern kombiniert. Die überkommene Fototechnik soll wie ein ethnologisches Andenken gewürdigt werden. Doch erinnert die Methode auch an Jagdeinsatz und Trophäensammlungen.

In der Bildreihe „Basilicata“ nehmen Onorato & Krebs unfertige Gebäude mit ihren Pfeiler-Strukturen (Quarry 1, 20011) in den Kamerablick und errichten vor dem Gebäude eine Lattenkonstruktion, die die räumliche Illusion im Bild erkennbar macht. Das Künstlerduo arbeitet analog und macht bewusst, wie sich das Auge des Betrachters täuschen lässt. Auch ihr Video „Dancers“ (2014) ist eine Bewusstwerdung. Hier wird die Magie tänzerischer Bewegungen genutzt. Eine Frau ist zusehen, wie ihre Ober- und Unterkörper unabhängig von einander tanzen. Ein Vergnügen, das an Jahrmarktbelustigungen erinnert.

Bis 9. Oktober; di-so 11 bis 18 Uhr, jeder 1. mi im Monat bis 21 Uhr; Tel. 05221/9944 330; www.marta-herford.de

Quelle: wa.de

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