Die Manic Street Preachers überzeugen in der Kölner Live Music Halll

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James Dean Bradfield (vorn) und Nicky Wire von den Manic Street Preachers in Köln.

KÖLN - 20 Jahre sind seit der Veröffentlichung des Albums „Everything Must Go“ von den Manic Street Preachers vergangen. Aus diesem Anlass gab die walisische Alternativerockband zwei Klubkonzerte in Deutschland, das erste davon am Montag in der ausverkauften Live Music Hall in Köln.

Dabei kam wieder die Frage auf, was man mit den Songs macht, wenn ein wichtiger Kopf der Band spurlos verschwindet und auch nie wieder auftaucht? Denn nach dem vermutlichen Selbstmord des Haupt-Songschreibers Richey James Edwards 1996 produzierten die drei übrig gebliebenen „Manics“ um den Komponisten James Dean Bradfield (Gesang, Gitarre), den späteren Texter Nicky Wire (Bass) und Sean Moore (Schlagzeug) ihr Erfolgsalbum „Everything Must Go“. Sie machten also weiter und wurden zu einer der populärsten Bands der 90er in Großbritannien, die größte in Wales sind sie sowieso.

Die zwölf Songs dieses Werkes bilden den ersten Teils des einnehmenden Abends mit dem Auftakt „Elvis Impersonator: Blackpool Pier“ und dem Hit „A Design For Life“. Abgerundet wird die auf das Wesentliche reduzierte Show durch einen Mix ihrer größten Hits, die den zweiten Teil des knapp 100-minütigen Auftritts dominierten. Unterstützung erhält das Trio von einem Keyboarder und einem Gitarristen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 nehmen die Street Preachers eine Sonderrolle im britischen Rock ein. Keine andere Band verbindet so selbstverständlich musikalischen Anspruch, ein feines Gespür für kommerziell erfolgreiche Melodien und ein höchstes Maß an sozialistischer und gesellschaftskritischer Haltung – sie waren Anfang 2001 die erste westliche Band, die seit der Revolution auf Kuba spielte.

Bassist Nicky Wire kündigt das kräftig-rotzige „Nat West-Barclays-Midlands-Lloyds“ so an: „Wir haben schon 1992 gesagt, dass Banken eine Katastrophe für die Wirtschaft sind. Die Leute haben uns ausgelacht, aber wir hatten Recht.“ Und der Abschlusssong „If You Tolerate This Your Children Will Be Next“ enthält angesichts von zunehmenden rechtsextremen Tendenzen weitere aktuelle Statements.

Die Manic Street Preachers waren nie Teil der Britpop-Bewegung und stets offen für alle erdenklichen Einflüsse. So haben anrührende Balladen wie „Small Black Flowers That Grow In The Sky“ oder die akustische Coverversion „Patience“ von Guns’n’Roses genauso Platz wie Rocksongs, die von Punk, Glam-Rock aber auch von Soul und poppigen Einflüssen geprägt sind. „Motorcycle Emptiness“ mit seinem extrem eingängigen Riff ist genauso ein Höhepunkt wie das hymnische „Your Love Is Not Enough“ oder das luftige „You Stole The Sun From My Heart“.

Dabei wirken Bradfield und Wire optisch wie Antipoden. Der Sänger mit der eindringlich hohen Stimme zeigt sich im wahrsten Sinne des Wortes hemdsärmelig und verkörpert den klassischen Rock-’n’-Roller, während Wire auch an diesem bemerkenswerten Abend seinen Hang zum androgynen Auftreten pflegt. Erst mit weißen Sakko und Sonnenbrille, später bunt kostümiert. Aber musikalisch harmonieren sie bestens miteinander, auch wenn es zuletzt um die Band eher ruhiger geworden ist.

Quelle: wa.de

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