Das Josef Albers Museum in Bottrop zeigt Malerei von Jerry Zeniuk

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Jerry Zeniuk vor seinem „Altar Painting II“ (2007) im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop.

BOTTROP - Übermannshoch hängt Jerry Zeniuks Gemälde im Oberlichtsaal des Josef Albers Museums Bottrop. Das gewaltige Querformat hat der Künstler mit bunten Flecken übersät, ohne erkennbares System, in vielen Farben des Spektrums von warmem Rot bis zu kaltem Blau. Das sieht zunächst sehr einfach aus, zufällig. Und doch befindet sich diese Versammlung von Farbtupfen in einem wunderbaren visuellen Gleichgewicht.

Es passt einfach in diesem Altargemälde II von 2007. Kein Fleck, auch nicht der kleinste, ist bedrängt. Die Farbe kann atmen, ihre Wirkung entfalten. Die Flecken haben eine unregelmäßige Form, angenähert an den Kreis. Es gibt keine Wiederholungen dabei. Zeniuk nimmt mal verdünnte Farbe, so dass im Lila die Pinselstriche nachvollziehbar bleiben und der helle Grund durchschimmert. Mal nimmt er einen fetten Brei von Grün und spachtelt daraus einen Fleck, auf den er am linken Rand etwas durchscheinendes Weiß setzt, so dass die Farbe hier in die weiße Grundierung abzutauchen scheint. Ein Gelb setzt er aus einem blassen Ton und einem kräftigen zwischen Ocker und Orange zusammen, so dass der Kreis sich an das fernöstliche Yin und Yang annähert. Manche Flecken umgibt er mit grauen Höfen, als würfen sie Schatten. Natürlich ist dies ein völlig abstraktes Bild ohne Inhalt, ohne Erzählung, nichts als Farbe auf Leinwand. Aber der Betrachter kann sich einbilden, ein Gruppenporträt zu erblicken. Von Flecken. Dazu passt, dass Zeniuk diesem Bild, das für eine Kirche entstand, einen Titel gab: „God’s Army Against Satan“.

Es ist leicht, sich über Zeniuks Malerei aufzuregen. Sie kommt ja so unbedarft daher, verzichtet auf allen illusionistischen Glanz. Die Kunstfertigkeit, die Sorgfalt, das Wissen, womit sie ausgeführt wurde, erschließt sich erst beim Hinschauen. Zeniuk greift mit seinen Vorbildern tief in die Kunstgeschichte, bis zurück zu Tizian. Wie der italienische Renaissance-Meister versteht er sich als Farbmaler. Die Wirkung, die Blau, Grün, Rot, Gelb in der Fläche entfalten, ist Zeniuks Thema.

Der Künstler wurde 1945 als Sohn von Flüchtlingen aus der Ukraine in einem Übergangslager bei Lüneburg geboren. Seine Familie emigrierte 1950 in die USA, dort studierte Zeniuk, dort begann er seine Karriere. Bilder von ihm waren auf der documenta 6 in Kassel zu sehen. Seit 1993 lebt er in München, wo er eine Professur an der Akademie für Bildende Künste innehatte.

Heinz Liesbrock, Direktor des Albers Museums, betont, wie sehr er das Werk Zeniuks schätze. Das Haus besitzt einige Gemälde des Künstlers, ein großes Bild ohne Titel von 1987/88 markiert den Anfang der Schau. Hier hat man noch ein horizontal strukturiertes, dichtes Mosaik aus Farbfeldern, und man könnte eine Art Landschaft aus Blau, Rot und Weiß assoziieren. Liesbrock weist darauf hin, dass Zeniuk sich mehrmals neu erfunden habe, mit Neuanfängen zum Beispiel von frühen monochromen Tafeln bis zu den Bildern aus den letzten 15 Jahren, die überwiegend aus Flecken bestehen.

Die Ausstellung in Bottrop umfasst 16 Bilder. Das gibt dem Betrachter Zeit, sich auf einzelne Werke einzulassen. Zum Beispiel auf „Untitled Number 285“ (2006), wo er eine ungrundierte Leinwand mit vier Kreisen bedeckt, jeden in einer anderen Grundfarbe, und ins Zentrum setzte er eine eckige Form in Graubraun wie ein Polster, eine Sicherung, damit sich die Kreise nicht stören. Ein wenig sieht es aus wie ein zufälliger Fleck. Und die Farben strahlen den Betrachter an wie Scheinwerfer.

Zeniuk selbst spricht von der großen Bedeutung, die Mondrian für ihn habe. „Ohne Mondrian könnte ich meine Bilder nicht malen“, sagt er, Mondrian habe den Raum ohne Gegenstand ermöglicht. In der Tat erinnert die Farbigkeit Zaniuks an die strengen Kompositionen aus weißer Fläche, schwarzen Linien und Füllungen in den Grundfarben beim holländischen Maler. Und es ist berückend, wie sehr Zeniuks Altarbild mit den sechs Gemälden von Josef Albers zusammenklingt, die Liesbrock ihm an die Seite gehängt hat, Hommagen ans Quadrat überwiegend in warmen Gelb- und Orangetönen. Aber die beiden Älteren ließen ihre Handschrift in einem neutralen Auftrag verschwinden, arbeiteten mit geometrischen Formen. Zeniuk hingegen setzt die Farbe gestisch ein, verspielt und beiläufig. Das Spannende ist, dass man trotz dieser so deutlichen Unterschiede die Beziehung nachvollziehen kann. Denn zufällig sind Zeniuks Bilder so wenig wie die von Albers und Mondrian. Er findet das Gleichgewicht nur auf einem anderen Weg, sagt dazu, die Logik, der er folge, sei keine des Hirns, sondern eine der Augen.

Bis 27.11., di – sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr, Tel. 02041 / 297 16, www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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