„Entenhausen – Oberhausen“: Sechs Disney-Zeichner in Oberhausen

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Der tragische Held des Alltags: Donald Duck in einem Portrait des Zeichners Al Taliaferro aus dem Jahr 1946, zu sehen in der Oberhausener Ausstellung.

OBERHAUSEN - Donald Duck ist der cholerische Pechvogel. Er will sein kleines rotes Auto verkaufen, aber die 125 Dollar, die der Autohändler bietet, sind ihm zu wenig. Aber wo er auch hinfährt, die Angebote sinken. Und weil er vor Wut nicht aufpasst, hat er einen Unfall. Am Ende gibt’s für das Wrack 5 Dollar.

Solche Geschichten erzählte Al Taliaferro 38 Jahre lang. Täglich zeichnete er bis zu seinem Tod 1969 einen sogenannten „Daily“ für Tageszeitungen. Und zusätzlich einen größeren Comic für die Sonntagszeitung. Ein unglaubliches Arbeitspensum, mit dem der US-Zeichner das Bild der Ente prägte wie kaum ein anderer.

Dutzende von Taliaferros Dailys sind von Sonntag an in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zu sehen. Das Museum wird für die Ausstellung „Entenhausen – Oberhausen“ zum Heim für Donald Duck und Micky Maus. In Zusammenarbeit mit der Sammlung Ina Brockmann und Peter Reichelt wird der Kosmos der Disney-Comics ausgebreitet, manifestiert an sechs der wichtigsten Zeichner der Comicfiguren. Es ist eine opulente Schau mit mehr als 450 Exponaten auf drei Etagen, und man hat hier lange zu gucken, schließlich hängen da neben Skizzen, Entwürfen, Comicheften aus Finnland, Russland, Italien und Titelblättern auch viele alte Zeitungsdrucke von Comics.

Lange glaubten die Kinder, dass wirklich Walt Disney alle Abenteuer zeichnete, die unter seinem Namen erschienen. Dabei hatte der Konzerngründer von Anfang an auf die Qualität von Lohnarbeitern gesetzt, guten Zeichnern, die er oft schnell entschlossen anheuerte. Erst als Disney 1966 starb, hob der Konzern die Anonymität dieser Künstler auf.

Viele Fans ahnten durchaus, wie die Geschichten entstanden. Carl Barks (1901–2000) zum Beispiel galt lange als „der gute Zeichner“, auch wenn sein Name unbekannt blieb. Aber er war es, der den Kosmos prägte, der in Oberhausen in Form eines Stadtplans von Entenhausen zu ahnen ist, jene Phantasiestadt, die zwischen Fichtelgebirge, Ozean und Rocky Mountains zu verorten ist. Barks schickte Donald und seine drei Neffen auf weltweite Abenteuer, erstmals 1942 in „Donald Duck finds Pirate Gold“. Barks dachte sich Onkel Dagobert aus (im Original Uncle Scrooge), Daniel Düsentrieb, Gundel Gaukeley und all die anderen. Er studierte exotische Schauplätze wie das Nordlandeis und die Aztekenpyramiden in den Heften von National Geographic, damit Details möglichst stimmten.

In Oberhausen sieht man aber auch einige Beispiele aus Barks‘ Leben vor Disney. Um 1930 arbeitete er als Cartoon-Zeichner für den „Calgary Eye-Opener“, eine Art regionaler Playboy, und entsprechend schlüpfrig sind die Bildwitze. Aber auch das Spätwerk ist gewürdigt, als Barks keine Geschichten mehr erfand, sondern Ölgemälde mit seinen Figuren schuf. In der Ausstellung sind allerdings keine Gemälde zu sehen, sondern Lithographien, immerhin einige in Kombination mit Entwurfsskizzen.

Allerdings hat Al Taliaferro (1905–1969) die Welt der Ente vielleicht noch mehr geprägt als Barks. Ihm ist es zu danken, dass die Nebenfigur in Zeichentrickfilmen Held eines Zeitungs-Comics wurde. Er zeichnete einige Entwürfe, die Walt Disney gefielen – und so ging die Ente, die anfangs nur Begleiter zum Beispiel von Micky Maus war, in Serie. Bei Taliaferro haben auch Donalds Neffen Tick, Tick und Track ihren ersten Auftritt. Und er machte aus der anarchischen Ente einen zwar aufbrausenden und von allerlei Missgeschicken heimgesuchten Helden. Aber vor allem setzte er die Ente in eine kleinbürgerliche Umwelt mit Eigenheim, kleinem Auto und alltäglichen Sorgen. Darin fanden sich die Zeitungsleser wieder.

Der dritte im Bunde ist der „Mouse Man“, Floyd Gottfredson (1905–1986), der Micky Maus von der Leinwand in den Comic übertrug. Er sollte im Dezember 1929 eigentlich nur 14 Tage lang zur Aushilfe die Zeitungsstrips mit Micky zeichnen. Er blieb 45 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung. Und man sieht in Oberhausen einige wunderbare Beispiele seines Schaffens, zum Beispiel eine grandiose Version des Märchens vom Tapferen Schneiderlein mit Micky als Held.

Aber in den USA erscheint das Micky-Mouse-Magazin seit 1984 nicht mehr. Es entstehen trotzdem neue Geschichten auf einem globalen Markt, gezeichnet von neuen Generationen von Zeichnern. Einer der besten ist der Amerikaner Don Rosa, geboren 1951, der speziell die Lebensgeschichte Dagoberts weiterspann, bewusst in der Nachfolge von Barks. Er schuf aber auch überaus witzige Parodien, indem er zum Beispiel Titelblätter von Superhelden-Comics mit den Enten besetzte und Dagobert als „Spider-Duck“ auftreten ließ und Donald ins Titelblatt des ersten „Superman“-Comics stellte.

Aber auch deutsche Zeichner widmen sich der Entenwelt, wie Jan Gulbransson, Jahrgang 1949, Enkel des Simplicissimus-Karikaturisten Olaf Gulbransson. Seit 1981 zeichnet er Disney-Comics. Und er holt die Enten auch in die deutsche Gegenwart, lässt sie in Fernsehshows auftreten wie „The Voice“ und „Dschungelcamp“. Er zeichnete auch eine Serie, in der die Ducks Deutschland bereisen. Die Ruhrgebiets-Folge hängt in Oberhausen aus – natürlich mit einem Fußball--Derby zwischen Schwarz-Gelb und Blau.

Der Jüngste im Bunde ist Ulrich Schröder, der vor allem für die Magazin-Ausgaben in Frankreich, Finnland, Russland Titelblätter gestaltet. Der 1964 geborene Aachener arbeitet inzwischen in Paris, und man sieht nicht nur eine Reihe famos gezeichneter Szenen in Entwurf und Tuschversion. Er erlaubt sich auch einige wunderbare Späße, indem er Couturiers seiner neuen Heimat als Disney-Figuren karikiert. Karl Lagerfeld als Wolf – eine ungewohnte, aber sehr passende Variante.

25.9.–15.1.2017,

di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0208/ 41 24 928,

www.ludwiggalerie.de

Begleitheft 4 Euro

Quelle: wa.de

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