Coldplay begeistern 55.000 Fans in Gelsenkirchen

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[Update] Gelsenkirchen - Coldplay haben den Pott mit einer bunten Konfetti-Party beglückt. Vor 55.000 Zuhörern in der ausverkauften Arena auf Schalke machte das britische Quartett im Rahmen seiner "A Head Full of Dreams"-Tour Station.

Als Chris Martin die Bühne betritt und ins Publikum blickt, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Es mag eines der Bestätigung sein. Der abermaligen. Alle Konzerte von Coldplay auf der „A Head Full of Dreams“-Tour waren bislang ausverkauft. Und auch für den Auftritt im Gelsenkirchener Fußballstadion sind alle 55 000 Tickets vergriffen. Das britische Quartett scheint mit seiner Musik alles richtig zu machen. Allerdings gibt es wohl kaum eine andere Band, die gleichzeitig auf eine derart ausgeprägte Art der Ablehnung in der Öffentlichkeit trifft. Und das schon seit vielen Jahren. Die vier Musiker von Coldplay nehmen das hin als Begleiterscheinung des Erfolgs. In der Schalker Fußballarena wird ihnen ausschließlich Liebe entgegengebracht.

Chris Martin hat an diesem Abend die gute Laune gebunkert. Das breite Grinsen steht ihm ins Gesicht gemeißelt. Kaum sind die ersten Töne erklungen, springt der 39-Jährige aufgedreht in seinen knallbunten Turnschuhen wie ein Gummiball umher – und er wird im Laufe des rund zweistündigen Konzerts nimmermüde unterwegs sein auf dieser riesigen, eigentlich viel zu großen Bühne. Gleich im ersten Song „A Head Full of Dreams“ schießen Konfettikanonen Massen kleiner Papierschnipsel unter die Hallendecke. Martin stürmt durch das Gestöber über den Steg ins Publikum hinein und wieder zurück und lacht dabei wie ein kleines Kind auf einem Abenteuerspielplatz.

Coldplay schaffen sich auf der Tour ihre eigene Welt – und die ist voller Neonfarben, Pyroeffekte und übertrieben guter Laune. Zumeist jedenfalls. Denn auch das Album „Ghost Stories“, dessen Songs entstanden sind, als sich Martin in einer Lebenskrise wiederfand, ist vertreten. Schwere Zeiten seien das gewesen, die von privaten Problemen gekennzeichnet waren, hat er in einem Interview gesagt. Mit viel Melancholie ist etwa „Magic“ ausgestattet, dass mit seinem dumpfen, fast monotonen Beat die gescheiterte Ehe des Sängers mit der Schauspielerin Gwyneth Paltrow thematisiert.

Das aktuelle Album „A Head Full of Dreams“ dagegen strahlt Lust und Energie aus. Und diese Eigenschaften transportiert das Quartett unterstützt mit viel buntem Schnickschnack und einer ungeheuren Dynamik auf die Live-Bühne. Das ist durchweg hymnisch, manchmal aber auch kitschig. Der glatt durchproduzierte Pop ist immer gefälliger und mittlerweile sogar klubtauglich geworden. Coldplay haben ihre Komfortzone erreicht, und die Fans sollen sich auch wohlfühlen.

„Hymn for the Weekend“ entführt mit Vogelgezwitscher in die Natur und ist perfekter Pop. Beim funkigen „Adventure of a Lifetime“ werden große bunte Bälle ins Publikum geworfen, während auf den Leinwänden das Musikvideo dazu flimmert, in dem sich die Bandmitglieder in neonfarbene Affen verwandeln. Und dann gibt es ja noch den Super-Hit „Viva la Vida“, zu dem Martin umherspurtet, Pirouetten dreht, sich fallen lässt und melodietrunken davontorkelt.

„Clocks“ ist das Musterbeispiel für Coldplays schwärmerisch-elegischen und mit Pathos erfüllten Musikstil. Während die Bühne in rotes Licht geflutet wird und Laserstrahlen durch die Arena blitzen, wird der beinahe schon hypnotische Song von einer eingängigen Piano-Melodie und Martins sirenenhaftem Gesang getragen. Dazu flackern die mit Lichtern ausgestatteten Armbänder, die zu Konzertbeginn an die Besucher verteilt wurden und nun automatisch gesteuert werden. Das sorgt mehr als einmal für ein beeindruckendes Lichtermeer im Innenraum und auf den Tribünen.

Das Tempo wird heruntergefahren, als die Band auf einer kleinen Bühne am hinteren Ende des Venues auftaucht, halbakustische Stücke spielt und damit eine Intimität schafft, die man sich in einem Fußballstadion eigentlich nur schwerlich vorstellen kann. Dort sorgt die Band für die schönsten Momente des Abends. Danach geht’s zurück auf die große Bühne mit den großen Effekten – zurück zum Stadionrock. Bei „Amazing Day“ wird eine Märchenwelt mit Ballons, Windmühlen und Sternschnuppen auf die Leinwand gezaubert, während Chris Martin euphorische Zeilen ins Mikrofon singt. Die Lichter an den Armen der Besucher leuchten hell. Der Sänger lacht. „Sehr schön!“ ruft er. Die Fans sind glücklich.

 

Quelle: wa.de

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