Ausstellung „Magische Orte“ im Gasometer Oberhausen

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Die Skulptur eines Regenwaldbaums von Wolfgang Völz ist im Gasometer Oberhausen zu sehen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ OBERHAUSEN–Der Baum überwältigt jeden. Man kommt in die weite Halle des Gasometers in Oberhausen und blickt auf zu dem Urwaldriesen, der 43 Meter aufragt, dessen Krone sich auf majestätische 28 Meter ausbreitet. Darüber fällt Licht durch die Kuppel der Industriekathedrale. Den Baum werden sie lieben, die Besucher der Ausstellung „Magische Orte“.

Dabei ist er gar nicht echt, sondern eine Skulptur. Und sie bildet auch keine existierende Spezies des Regenwalds nach. Der Baum ist eine Abstraktion, ein Idealtypus, mit dem man sich identifizieren soll, erklärt sein Schöpfer, der Künstler Wolfgang Volz, der für das Glanzlicht der Oberhausener Ausstellung sorgte. Ursprünglich plante er noch spektakulärer: Mit hängenden Gärten sollte eins der sieben klassischen Weltwunder im Gasometer nachgebaut werden. Aber damit hatten sich die Macher der Schau übernommen: Lebende Bäume sind einfach zu schwer, um sie in den Gasometer zu hängen. Da wäre man bei Bäumchen gelandet, was weit weniger beeindruckt hätte als der künstliche Solitär. Den inszeniert Volz auch noch mit Lichteffekten, die den Tageslauf im Regenwald nachempfinden, und einer Musik mit New-Age-Einschlag. An der Stelle fühlt man sich in die USA versetzt, wo selbst ein Waldspaziergang noch die passende Beschallung bekommt.

Volz und sein Mitkurator Peter Pachnicke bieten in der Ausstellung eine Übersicht über die Welterbestätten der Unesco, sozusagen die modernen Entsprechungen zu den antiken Weltwundern. Dabei stehen Natur- und Kulturmonumente gleichwertig nebeneinander, betont Pachnicke. Das wichtigste Medium, um diese globalen Schätze in den Gasometer zu bringen, ist die Fotografie. 180 Aufnahmen werden als große Bildtafeln gezeigt, darunter Arbeiten des prominenten niederländischen Naturfotografen Frans Lanting und des afrikanischen Tierfotografen Daryl Balfour. Das ist ein Rausch der Farben und Formen, wenn man fließende Lava als roten Schwung sieht und das blau umsäumte Auge des Tukans am grellorangnen Schnabelansatz. Baumstämme werden als Säulen einer Waldkathedrale inszeniert. Ein Stück weiter blickt man in die gotische Eleganz des Kölner Doms. Berühmte Bauten wie das Tadsch Mahal und das Guggenheim Museum in Bilbao, das Frank O. Gehry entwarf, sind zu sehen. Das Thema wird weit gefasst. So ist nicht nur die berauschende Choreografie eines Sardinenschwarms zu sehen, in den ein Hai einbricht, sondern auch die Aufnahme eines menschlichen Embryos in der 26. Schwangerschaftswoche. Das ist gewiss eins der größten Wunder. Aber die Unesco schützt es nicht, leider. Aber es fügt sich in die Geschichte des globalen Staunens.

Zwischen die meterbreiten Bildtafeln sind auch Objekte inszeniert. Zum einen Kunstwerke wie die steinzeitliche Venus von Willendorf, die Nofretete, der griechische Speerträger des Polyklet und der Denker von Rodin. Nicht als Originale, aber als täuschend echte Repliken aus der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin. Außerdem werden kostbare Originalstücke aus mineralogischen und archäologischen Sammlungen gezeigt wie Versteinerungen von Urzeittieren und prächtige Bergkristalle. Hinzu kommt die Scheibe eines Mammutbaums, ein Geschenk der US-Präsidentengattin Barbara Bush an die Stadt Bonn 1989.

Die Schau knüpft an die vorangegangenen Präsentationen „Das Auge des Himmels“ und „Sternstunden“ an, die 1,3 Millionen Besucher lockten. „Magische Orte“ kommt ähnlich gefällig daher. Die Veranstalter rechnen mit einer sechsstelligen Besucherzahl.

Aber bei aller optischer Opulenz ist die Ausstellung durchaus seriös. Und sie gönnt sich Momente des Innehaltens, zum Beispiel bei einer Vitrine mit unscheinbaren Originalen. Es sind eine Uhr und fünf zusammengeschmolzene Glasmurmeln, das einzige, was von Bewohnern Hiroshimas nach dem Abwurf der Atombombe übrig blieb.

Magische Orte im Gasometer Oberhausen. Bis 30.12., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0208/ 850 37 33, http://www.gasometer.de,

Katalog, Klartext Verlag,

Essen, 19,95 Euro

Quelle: wa.de

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