Jobcenter-Chef: „Integration braucht Geduld“

Die Anzahl erwerbsfähiger Personen aus nichteuropäischen Asylzuzugsländern ist von Dezember 2014(341) bis Dezember 2015 (643) kontinuierlich gestiegen. Inzwischen sind die Sprünge deutlich größer geworden: Im Mai erfasste das Jobcenter Märkischer Kreis bereits 1025. Bei den Herkunftsländern handelt es sich um Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia. - Quelle: Jobcenter

Märkischer Kreis - Die Flüchtlingswelle kommt inzwischen auch beim Jobcenter des Märkischen Kreises an. Geschäftsführer Volker Riecke rechnet mit einem monatlichen Zugang von 80 bis 100 Flüchtlingen. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt sei allerdings schwieriger als von vielen angenommen.

Derzeit sind 1025 anerkannte Asylbewerber bei der Behörde gemeldet. Riecke: „Ein Plus von rund 140 Prozent gegenüber dem Monat Mai des Vorjahres.“ Die Betroffenen kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia – Menschen aus diesen Herkunftsländern haben die größten Bleibechancen. Entsprechend gestiegen ist auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften aus den Zuzugsländern – von 466 im Dezember vergangenen Jahres auf 740. Insgesamt gibt es derzeit im Kreis 16 857 Bedarfsgemeinschaften.

Die Flüchtlinge seien vielfach sehr motiviert, aber es fehlten Sprachkenntnisse und Qualifikationen. Mit den Arbeitgeberverbänden und Kammern bestehe Konsens, auf „Schnellschüsse“ zu verzichten. Vielmehr, so Riecke im Ausschuss für Gesundheit und Soziales, sei Geduld gefragt. „Wir müssen uns auf einen langen Prozess von drei, vier und fünf Jahren einrichten.“

Zwar habe die Arbeitsverwaltung im vergangenen Monat mehr als 1000 Stellen ausgewiesen, aber vorwiegend suchten die Unternehmen Fachkräfte. Zudem schwächele der Helferbereich im Nordkreis. „Die Zugänge können durch den Arbeitsmarkt nicht kompensiert werden“, fasste der Geschäftsführer die Lage zusammen. „Diese Situation wird sich fortsetzen.“ Deshalb werde es positive Entwicklungen wie in der Vergangenheit für lange Zeit nicht mehr geben.

Der Anstieg bei den Bedarfsgemeinschaften wird sich auch bei den Kosten für die Unterkunft niederschlagen. Fachbereichsleiter Volker Schmidt: „Wir haben dieses Jahr im Kreishaushalt bereits Mehrkosten eingeplant und für 2017 weitere 1,5 Millionen Euro vorgesehen.“ Bund und Land seien aufgefordert, die „flüchtlingsbedingten Mehrkosten“ zu refinanzieren. „Das wird ein ständiger Kampf werden“, so Schmidts Prognose. „Im Augenblick müssen wir die Lasten selber tragen.“

Beim Thema Integration von Langzeitarbeitslosen spendete Riecke den Unternehmern ein großes Lob. „Wir haben viele einstellungswillige Arbeitgeber, aber die hohen bürokratischen Hürden schrecken zu Recht viele ab.“ Dem Jobcenter wiederum fehle es an der Finanzierungssicherheit für langfristige Projekte. „Wir brauchen an der Stelle mehr Planbarkeit.“

Das neue ESF-Bundesprogramm zur Eingliederung von Hartz-IV-Empfängern verfehle seine Wirkung, weil der Sanktionsparagraf nicht greife. „Das Prinzip des Förderns und Forderns gilt nicht. Deshalb springen viele Bewerber wieder ab.“ Das sei ein bundesweites Dilemma.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare