Ärztemangel im ländlichen Bereich

Gesundheitszentren im Blick

Der „Gesundheitscampus Sauerland“ in Balve ist beispielhaft für ein funktionierendes Versorgungszentrum.

Märkischer Kreis – Vor zwei Wochen hat der Märkische Kreis die ersten vier Medizinstipendien bewilligt. Sieben der zwölf Bewerber erfüllten die Voraussetzungen. Wird der ländliche Raum mit einem Zuschuss von monatlich 500 Euro für junge Mediziner interessant? Den Kreispolitikern reicht die erste Erfolgsmeldung bei Weitem nicht aus. Die Einrichtung von Gesundheitszentren wird als Zukunftsmodell ins Spiel gebracht.

Gleich zwei Anträge liegen dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales für seine Sitzung am 8. September auf dem Tisch. Einen haben CDU und SPD gemeinsam verfasst, ein zweiter kommt von der Fraktion Die Linken. Einheitliche Zielrichtung: Über Gesundheitszentren lässt sich die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten sicherstellen.

Anfang des Jahres hatte Ansgar von Osten, bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Leiter des Geschäftsbereichs Zulassung und Sicherstellung, die Sozialpolitiker vor einer zunehmenden Ausdünnung der hausärztlichen Versorgung im Kreisgebiet gewarnt. Gerade im Lennetal gebe es schon jetzt einen eklatanten Mangel an Medizinern. 1671 Einwohner sollen nach einer Richtlinie auf einen Hausarzt kommen. In Altena erreiche die Versorgungsquote gerade mal 75 Prozent.

Für die Fraktionen von CDU und SPD im Kreistag kommen den Gesundheits- oder medizinischen Versorgungszentren in Flächenkreisen eine besondere Rolle zu. Ergänzend zur klassischen Arztpraxis seien solche Einrichtungen zukunftsweisend. Als lobenswertes Beispiel weisen die Fraktionsvorsitzenden Angelika Machelett (SPD) und Karsten Meininghaus (CDU) auf das „Gesundheitscampus Sauerland“ in Balve hin. Im ehemaligen 120-Betten-Haus der Katholischen Hospitalvereinigung haben sich Haus- und Fachärzte sowie Dienstleister aus dem Gesundheitsservice unter einem Dach zusammengeschlossen.

Für die Antragsteller sind auch die Märkischen Kliniken bei den Überlegungen mit im Boot. Kann das Krankenhaus mit den Standorten Lüdenscheid, Werdohl und Letmathe in der ambulanten Versorgung unterstützend tätig werden? Ist eine Beteiligung an einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) wirtschaftlich tragfähig?

Fragen, die sich auch die Linken stellen und die Verwaltung in einem zukunftsorientierten Konzept beantworten soll. Das Balver Projekt sei zwar lobenswert, insgesamt aber nicht ausreichend. Fraktionschef Manuel Huff: „Alle privaten Initiativen von Ärzten zur Einrichtung von Gesundheitszentren müssen unterstützt werden.“ Außerdem schlagen die Linken eine Gesundheitskonferenz mit allen beteiligten Akteuren vor, um ein Gesamtkonzept für ein flächendeckendes Netz an medizinischer Versorgung zu knüpfen.

Für den Frankfurter Professor Ferdinand Gerlach, den Vorsitzenden des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, gibt es nur eine Lösung: „Schafft lokale Gesundheitszentren für die Primär- und Langzeitversorgung von Patienten.“ Junge Mediziner wollten vielfach nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern im Team arbeiten. Das schaffe jedem mehr Freiräume. Ein Angliedern solcher Gesundheitszentren an ein kleines Krankenhaus sei durchaus sinnvoll, so der Sachverständige. Längere Wege ließen sich mit Bürgerbussen überwinden.

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